Laut der bayerischen Verfassung sollen die Schulen „nicht nur Wissen und Können vermitteln, sondern auch Herz und Charakter bilden“. Dieser Aufgabe kommt das Friedrich-Dessauer-Gymnasium durch vielfältige Aktionen im Bereich Gemeinschaft und Soziales nach.


  • Niklas Wagener zu Gast am FDG

    Vor dem Hintergrund des Besuchs der lettischen Austauschschüler, der von Herrn Dr. Banhold im Rahmen der Erasmus-Schulpartnerschaft federführend organisiert wurde,  stand der Grünen-Abgeordnete Niklas Wagener am vergangenen Mittwoch den lettischen und deutschen Schülerinnen und Schüler über sein politischen Wirken Rede und Antwort. Dabei erklärte er den Schülerinnen und Schülern die momentane Politik der Grünen vor dem Hintergrund der Energiekrise auf Bundesebene und sprach über sein Herzensanliegen, dem Wald, dem er „eine Stimme geben will“.  Die SchülerInnen interessierten sich besonders auch für den Weg des jungen Politikers zum Bundestagsabgeordneten und sein Engagement für den Klimaschutz sowie seine neue Aufgabe im Verteidigungsausschuss.

  • Anja Stiersdörfer zu Besuch am FDG

    Am 30. September erhielt das FDG Besuch von der Beauftragten der bayerischen Staatsregierung für Aussiedler und Vertriebene.  Sie kümmert sich also um das Andenken der Sudetendeutschen, Schlesier, Pommern, Ostpreußen, Ungarndeutschen, der Deutschen aus Rumänien, aus Jugoslawien, die nach Ende des Zweiten Weltkriegs als „Tätervolk“ aus der Heimat gewaltsam vertrieben oder schon vorher geflüchtet waren. Jeder vierte Deutsche hat eine Vertreibungsgeschichte. In der Aula wurde sie von den drei Geschichts- bzw. Sozialkundekursen der Q 12  von Frau Schütze, Frau Jacob und Frau Grundner erwartet, zudem war das W – Seminar „Flucht und Vertreibung“ von Frau Schütze anwesend. Zusätzlich interessierte sich die lettische Austauschgruppe, die derzeit am FDG ist, für den Vortrag.

    Frau Stiersdorfer, die selbst sudetendeutsche Wurzeln hat, hat gemeinsam mit der Landeszentrale für politische Bildung ein Themenheft zu  „Flucht und Vertreibung“ herausgegeben, das das Thema wissenschaftlich beleuchtet. Zudem führt   sie mit den schon hoch betagten Zeitzeugen der Flucht und Vertreibung aus Osteuropa nach dem Zweiten Weltkrieg Zeitzeugeninterviews durch, die auf ihrer Homepage als Podcast abrufbar sind. Der Kurs 12/ g1 setzt sich schon seit Ende des letzten Schuljahrs mit diesen Materialien auseinander.

    So transkribierten SchülerInnen die in den Podcasts erzählten Leiderfahrungen während der Flucht und die Anstrengungen in der Aufnahmegesellschaft eine neue Heimat zu finden. Nicht selten engagieren sich die Heimatvertriebenen im Alter als Brückenbauer zu ihrer ersten Heimat und stellen z.B.  Partnerschaften  zwischen deutsch- tschechischen und deutsch-polnischen Gemeinden als Zeichen der Versöhnung her.

    Auch die wissenschaftlichen Beiträge im Themenheft wurden zusammengefasst. Es geht in der Zusammenfassung von Jara und Pavel z.B. um die Erforschung der Folgen, die die Vertreibungserfahrung bis in die dritte Generation hat. An der LMU München existiert ein entsprechendes Projekt. Chiara und Charlotte (Q11) haben sich mit einem Aufsatz beschäftigt, der darüber nachdenkt, wie die Spirale aus gegenseitigen Schuldzuweisungen im Zusammenhang mit dem Thema „Flucht und Vertreibung“ beendet werden kann. Komplex ist dies, weil die Deutschen zwar Opfer der Vertreibung, aber in erster Linie Täter in den besetzten Ostgebieten waren. 
    Während der Diskussion im Anschluss an den Vortrag griffen die SchülerInnen aber überraschenderweise nicht auf das erarbeitete Wissen zur Situation in der ersten Hälfte des 20.Jahrhunderts zurück, sondern beschäftigten sich  mit dem derzeitigen Umgang mit geflüchteten Menschen in Deutschland. Die Asylpolitik Deutschland empfanden SchülerInnen als zu restriktiv, es kam die Frage auf, wie eine schnellere berufliche Qualifikation der heute Geflüchteten gelingen könne. Zudem wurde Kritik an der Argumentationstechnik der Politikerin geübt. 

    Frau Stiersdorfer monierte, dass Kritik mit Belegstellen unterfüttert werden müsse und sie diese vermisse. Sie stellte Wirtschaftsflüchtlinge als eine Gruppe von Menschen heraus, die nicht in Deutschland bleiben könne. Eine Zuhörerin  unterstützte die Politikerin und empfand die Vorstellung, allen Geflüchteten gerecht zu werden als „romantisch“.

    Abschließend  bedankte  sich Frau Stiersdorfer herzlich bei den SchülerInnen für ihr politisches Interesse und den Mut den „Mund aufzumachen“.

    Julia Grundner 

    In der Vorbereitung auf den Vortrag haben sich Justin Ahlert und Lukas Caloiero, Q11, mit der Thematik auseinandergesetzt. Ihr Exemplar kann man hier nachlesen.

  • Flucht und Vertreibung – Workshop in Q11

    Am Mittwoch, den 21. September besuchten zwei Teamer vom Bildungsnetzwerk teamGLOBAL, Ronja und Lukas, das FDG, um mit zwei Seminaren aus der Q11 einen Workshop zum Thema „Flucht und Vertreibung“ durchzuführen. 

    Angefangen wurde mit einer kurzen Vorstellung des teamGLOBAL:  Dieses Projekt der Bundeszentrale für politische Bildung wurde 2004 initiiert und fokussiert sich auf Themen rund um die Globalisierung. Dabei setzt das Netzwerk vor allem auf Peer-to-Peer-Education. Das ist Lernansatz, bei dem Gleichaltrige auf Augenhöhe voneinander lernen und sich gemeinsam mit einem Themenbereich beschäftigen. So sind alle Teamer des Netzwerkes unter 25 Jahren alt und damit nur wenig älter als die SchülerInnen. 

    teamGLOBAL, Ronja und Lukas

    Um das Eis zwischen Teamern und TeilnehmerInnen aber auch zwischen den verschiedenen Seminaren zu brechen, wurde zunächst das Weltverteilungsspiel gespielt. Den TeilnehmerInnen wurden verschiedene Fragen zur Verteilung von Einwohnern, Geld und Flüchtlingen auf der Welt gestellt. Daraufhin mussten sie sich auf einer Weltkarte verteilen. So entstand eine lockere Atmosphäre und erste Erkenntnisse konnten gewonnen werden. 

    Weiter ging es dann mit einigen interaktiven Stationen, an denen die TeilnehmerInnen sich über Hintergründe zu Fluchtwegen, Fluchtgründen und Migration informieren konnten.

    In Gruppen sollten sich die Schüler nun über AkteurInnen im Bereich Flüchtlingspolitik und Flüchtlingshilfe informieren. Von der EU, Frontex, Seawatch und Co bis zu lokalen Akteuren wie der Aschaffenburger Verein „Grenzenlos“ war alles dabei.

    In einer anschließenden Diskussion konnten die Seminare von Frau Schütze sich über Ziele, Strategien und Förderungen in Bezug auf die Frage “Wie schaffen wir eine menschenwürdige Flüchtlingspolitik?” austauschen.

    Mit einer kurzen Feedback-Runde schloss der informative Workshop schließlich ab.

    Noam Breunig, Q11

  • Schuljahresanfangsgottesdienst für die 6. Jahrgangsstufe – Mutig auf neuen Wegen gehen

    Eine große Schar Schülerinnen und Schüler des FDG überquerte am frühen Morgen des 21.09.22 auf der Willigisbrücke den Main, der sich noch in Herbstnebel gehüllt hatte. Ziel war die Christuskirche, in der der Schuljahresanfangsgottesdienst für unsere Sechstklässler stattfand. Neue Wege und neue Herausforderungen waren das Thema, denn jedes neue Schuljahr ist wie ein Aufbruch ins noch Vage, Ungefähre, Ungewisse. Ähnlich erging es wohl Josua, der dem biblischen Text nach den Weg ins Gelobte Land gehen sollte. Im Alten Testament heißt es von Gott in diesem Zusammenhang: Ich bin mit dir, ich lasse dich nicht im Stich! Nie wende ich mich von dir ab! Gleichermaßen dürfen auch alle Schülerinnen und Schüler mit Zuversicht ins neue Schuljahr gehen. Wunderbar musikalisch begleitet wurden sie von einem Musikerinnenensemble des FDG und vom Kantor der Christuskirche, Herrn Seitz, bei denen wir uns auf das herzlichste bedanken. 

    Corinna Mierau

  • Fit für den Alltag – die neue Projektwoche „Alltagskompetenzen“

    Zum ersten Mal wurde am FDG in der 7. Jahrgangsstufe eine Projektwoche zum Thema „Alltagskompetenzen – Schule fürs Leben“ durchgeführt. Dabei standen alltägliche Handlungsfelder wie Umwelt, Ernährung, selbstbestimmtes Verbraucherverhalten, Umweltverhalten und Haushaltsführung auf dem Stundenplan.

    Bereits am 1. April nahmen alle 7. Klassen an einem Webinar zum Thema „Recht im Internet – Cybermobbing u.a.“ teil, das von der Rostocker Rechtsanwältin Gesa Stückmann durchgeführt wurde. Sie setzt sich mit ihrem Verein Law4School seit 15 Jahren für einen selbstbewussten Umgang mit Cybermobbing ein. Ergänzend dazu bot sie im Rahmen eines Elternabends ein Webinar zu „Recht im Internet“ an, das regen Zuspruch fand.

    Da die gesamte 8. Jahrgangsstufe im nächsten Schuljahr mit iPads ausgestattet ist, durfte die Weiterbildung in diesem Bereich nicht fehlen. Um sicherzustellen, dass alle auf dem gleichen digitalen Level sind, wurden die Schülerinnen und Schüler während des letzten Schulhalbjahres zum einen mit den technischen Finessen vertraut gemacht. Zum anderen absolvierten alle Jugendlichen am ersten Tag der Projektwoche den Medienführerschein, bei dem sie sich mit den Regeln der Benutzung des iPads am FDG, dem Thema Fake News, aber auch beispielsweise mit dem Googelnden Wikipedianer und den Sozialen Medien auseinandergesetzt haben.

    Darauf folgten vier weitere Projekttage, die von externen Partnern unterstützt werden.:

    21./22. Juli:

    • Selbstverteidigung: Einheiten von Matthias Scholz von der Kampfkunst Akademie
    • Yoga: Entspannungsmethoden von Frau Kreis (Zeit für Kinder), gesponsert von der Akzo Nobel 
    • Richtiges Aufräumen: Moderierte Vorträge vom PEN-Netzwerk Aschaffenburg mit Gabriele Völk (decoart), Gerald Wolf (WerbeDreieck), Clemens Willig (clemensoFit) und Rinaldo Heck (HE-S Digital Management GmbH)
    • Suchtprävention: ausgearbeitet von unserer Schulsozialpädagogin Sara Albert, durchgeführt von den Lehrkräften

    25./26. Juli:

    • Gesunde Ernährung: Vortrag von Ernährungsberaterin Renate Bleistein
    • „Schmexperten“: Ernährungsberaterin Rebecca Kunz bereitet mit den Schülern kalte Speisen zu
    • „Zu gut für die Tonne“: von Lehrkräften durchgeführtes Projekt zur Nachhaltigkeit

    Wie man sieht wurde ein buntes und gewinnbringendes Programm angeboten, das die Schülerinnen und Schüler im Umgang mit den Alltagskompetenzen stärker macht.

    Ein herzliches Dankeschön und hoffentlich Wiedersehen im nächsten Schuljahr geht an die engagierten externen Partner! Vielen Dank auch an alle beteiligten Lehrkräfte, die für das Gelingen dieses Tages mit ihrem Einsatz beigetragen haben.

    Frau Kunz bei der praktischen Umsetzung gesunder Snacks

    Nadina Laucks, StDin

    Pädagogische Leitung

  • Präventionskampagne der Polizei: „DEIN Smartphone – DEINE Entscheidung“

    „Der Trend ist ungebrochen, fast jedes Kind besitzt mittlerweile ein Smartphone mit ständigem Zugang zum Internet. Chatgruppen und die einschlägigen Messenger Dienste werden intensiv genutzt und sind kaum mehr aus dem Alltag von Kindern und Jugendlichen wegzudenken.

    Häufig finden aber auch gerade auf diesem Weg Video-, Audio-, Bild- und Textdateien mit strafbarem Inhalt wie pornografische- oder gewaltverherrlichende Darstellungen den Zugang zu den Nutzern. Auf derartige Darstellungen sind gerade Kinder und Jugendliche aufgrund ihres Alters und Entwicklung noch nicht vorbereitet“ (Die Bayerische Polizei, 2022).

    Genau aus diesem Grund waren in der letzten Woche (11.07.2022 – 14.07.2022) Polizeibeamte der Polizeiinspektion Aschaffenburg am FDG und haben die Fünftklässler diesbezüglich sensibilisiert.

    Auch für die Eltern der Fünftklässler fand am Montag, den 11.07.2022 ein Elternabend statt. Sehr praxisnah gaben die Polizeibeamten den Eltern wichtige Informationen und Verhaltenstipps für den Umgang mit dem Smartphone.

    Sowohl der Elternabend, als auch die Präventionsveranstaltungen in den einzelnen Klassen, wurden von den Teilnehmenden sehr gelobt.

    Vielen herzlichen Dank an die Polizeiinspektion Aschaffenburg für die sehr gute Zusammenarbeit.

                                                                                                                                      Sara Albert

  • Spurensuche in der dunklen Geschichte Deutschlands – Gedenkstättenfahrt der 9. Klassen

    Emotional anstrengend und sehr beeindruckend empfanden viele SchülerInnen der 9 Klassen den Besuch der Gedenkstätte KZ Dachau. Auf einem etwa dreistündigen Rundgang erkundeten sie den Gedenkort, auf dem sich zwei rekonstruierte Häftlingsbaracken, ein langgezogener sog. Bunker mit etwa 50 Häftlingszellen sowie eine Gaskammer und ein Krematorium befinden. Dabei erarbeiteten sich die SchülerInnen in dem von der Max Mannheimer-Stiftung organisierten Workshops den Alltag der Häftlinge und lernten viel über die Zeit des Nationalsozialismus. In Dachau wurde im Jahr 1933 das erste Konzentrationslager in Deutschland errichtet, das zunächst der Inhaftierung von politischen Gefangenen diente. Nach und nach kamen Juden, Zeugen Jehovas, Sinti und Roma oder auch Homosexuelle hinzu. Bis Kriegsende stieg die Zahl an Häftlingen auf insgesamt 200 000 an, von denen etwa 40.000 in Dachau ermordet wurden. Auch sowjetische Kriegsgefangene wurden nach Dachau gebracht. Auf dem nahe gelegenen SS- Schießplatz Herbertshausen wurden etwa 4 000 Rotarmisten exekutiert. Doch wie konnte es zu diesem unbeschreiblichen Verbrechen kommen? Wer trug schuld an diesem schrecklichen Kapitel deutscher Geschichte? Beschränkt sich die Schuld allein auf Wachmannschaften, Waffen-SS oder deutsche Wehrmacht? Trug nicht beispielsweise die Reichsbahn eine gewisse Verantwortung, indem sie zahlreiche Waggons und Lokomotiven zur Verfügung stellte? Inwiefern war die Bevölkerung, welche die Verbrechen in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft mitbekam, aber wegsah, mitverantwortlich? In einem Workshop machten sich die SchülerInnen darüber Gedanken und diskutierten intensiv miteinander. Anhand verschiedener Quellen setzten sie sich mit den Biografien von Häftlingen auseinander und gestalteten dazu Plakate. Trotz des anstrengenden und auch emotional fordernden Programms hatten sie in der Herberge genug Zeit für sich als Klasse, lernten die MitschülerInnen der anderen Klassen besser kennen und freuten sich somit sehr über die erste gemeinsame Klassenfahrt seit langer Zeit. 
    Caterina Thielmann Vila (9b) und Steffi Schütze 

  • Yes, we played – erfolgreiche Teilnahme am Planspiel „Play the market“

    Claudi Di Tondo, Tizian Altrock und Simon Keitel sind auf dem Weg ins ganz große Geschäft und haben ihr Verständnis des existierenden „Wirtschaftsuniversums“ erfolgreich unter Beweis gestellt.

    Bei dem Wettbewerb „Play the Market“, dem größten betriebswirtschaftlichen Planspiel für SchülerInnen ab der 10. Jahrgangsstufe, ein vom bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie geförderter Wettbewerb, schlüpften die drei Oberstufenschüler des P-Seminars „Planspiel“ unter der Leitung von OStR Spannl in die Rolle des Geschäftsführers und überahmen ein bestehendes Familienunternehmen, das hochpreisige Energieriegel vermarktet. Mit ihrem „biology bide“ konnten sie sich gegen 578 weitere Teams bayerischer Schulen durchsetzen und erreichten das Halbfinale, das am 24.-25.6. stattfinden wird.

    Innerhalb der Wettbewerbsperiode nahmen die Schüler an Mitarbeiterschulungen und unterstützenden Online-Seminaren (u.a. von Prof. Dr. Christian Langebaan) teil, in denen sie über Kaufpreise, Gewinnmaximierung und die Durchführung von Pressekonferenzen informiert wurden. Nach eigener Aussage haben die Schüler dabei über den Wirtschaftsunterricht hinausgehende Kenntnisse gewonnen und ihr betriebswirtschaftliches Verständnis, auch mit eigens konzipierten Excel-Tools, vertieft.Als Gewinn winkt eine Reise in die Wirtschaftsmetropole New York. Die Schulfamilie des FDGs drückt den Nachwuchswirtschaftlern, die sich durchaus vorstellen können beruflich in diesem Bereich Fuß zu fassen, für das Halbfinale die Daumen.

    Die Nachwuchswirtschaftler Tizian Altrock, Simon Keitel und Claudio Di Tondo bei der Pressekonferenz am FDG
  • Aktion Rote Bank – Schüler*innen setzen sich gegen Gewalt gegen Frauen und Mädchen ein

    Eine kleine Holzbank, tomatenrot angestrichen, steht am Dienstag, den 24.05. in der Pausenhalle des Friedrich-Dessauer-Gymnasiums in Aschaffenburg. Im alltäglichen Trubel der Pause bildet sich eine kleine Menschenmenge um mehrere große Stellwände mit Plakaten und eben jene besagte rote Bank.

    Die rote Bank soll als Symbol gegen sexuelle Gewalt gegen Frauen und Mädchen stehen. An diesem Dienstag darf sich jede und jeder mit ihrem oder seinem eigenen Statement gegen geschlechterspezifische Gewalt auf der roten Bank ablichten lassen und ein Zeichen setzen. Anschließend werden die auf Plakate geschriebenen Slogans an den Stellwänden gesammelt und aufgehängt. „Starke Männer achten Frauen!“ oder „Gewalt beginnt mit Sprache“ oder „Nein heißt Nein“ sind nur einige der selbstgewählten Statements aus der Schulfamilie.

    Initiiert wurde die Aktion „Rote Bank“ am FDG von mehreren Schülerinnen der Oberstufe, die in und außerhalb der Schule sexuelle Stereotype beobachteten. Als die jungen Frauen beschließen, etwas dagegen zu tun, kontaktieren sie gemeinsam mit einem Team aus Lehrer*innen die Organisation SEFRA. SEFRA ist ein Selbsthilfe- und Beratungszentrum für Frauen in Aschaffenburg, das jegliche Form von Hilfe für Frauen anbietet, die häusliche Gewalt, sexuelle Belästigung oder Stalking erfahren haben. Auch SEFRA war sofort bereit an dem Projekt mitzuwirken. 

    Gemeinsam mit SEFRA entstand nun die Idee der Aktion Rote Bank. Ursprünglich kommt diese Idee aus Italien, wo 2014 in Turin die erste rote Bank stand. Die rote Farbe soll ins Auge stechen und steht sinnbildlich für das vergossene Blut bei sexueller und häuslicher Gewalt. 

    Nur ein paar Slogans aufzuschreiben und sich anschließend fotografieren zu lassen, war der Gruppe von Schülerinnen und Lehrkräften jedoch nicht genug. Zusätzlich gab es am Morgen des 24. Mai für einen Teil der Oberstufe einen Vortrag von Gaby Salner (SEFRA) zum Thema sexuelle Übergriffe und sexuelle Gewalt unter Jugendlichen. Salner sprach über Grenzüberschreitung, erste sexuelle Erfahrungen, sexistische Vorurteile und warum bzw. wie es diese aufzulösen gilt. Außerdem veranstalteten Frau Kapraun und Herr Müller-Gebauer anschließend einen Workshop mit Schülerinnen und Schülern der 10. und 11. Klasse. Hier haben die Schüler*innen in mehreren Kleingruppen das Phänomen diskutiert, sich ausgetauscht und erste Ideen herausgearbeitet, wie auch die eigene Schule ein Ort mit weniger Sexismus und sexueller Belästigung werden könnte. 

    Dabei stellte sich schnell heraus, dass das Thema nicht nur komplex, sondern auch weitreichend ist. Was genau ist Gewalt, wo fängt sie an? Wie kommt ein solcher Umgang miteinander zustande? Und was kann man tun für mehr gegenseitiges Verständnis? Alles Fragen, die nicht nur die Frage der geschlechtsspezifischen Übergriffigkeit tangieren, sondern den zwischenmenschlichen Umgang miteinander generell in den Blick nehmen lassen.  

    Maßgeblich unterstützt wurde die Aktion außerdem von der Schulsozialpädagogin Sara Albert, den Ethiklehrerinnen Julia Grundner und Angela Pechtl und der Referendarin Patricia Diel, die sich tatkräftig und mit ganzem Herzen in die Aktion einbrachten.  

    Alles in allem ein erfolgreicher Tag für den Humanismus am Friedrich-Dessauer-Gymnasium. Trotzdem sollte erwähnt werden, dass solche Aktionstage nur dann nachhaltig sind, wenn die geäußerte Kritik auch im Herzen ankommt, wenn gegenseitiges Verständnis, ein Zugehen aufeinander und letztlich eine Veränderung folgen. Auch an Schulen existieren noch veraltete Rollenbilder, die Platz für Sexismus und sexuelle Belästigung schaffen. Diese Rollenbilder aufzulösen und somit dem Sexismus und der sexuellen Belästigungen den Platz zu nehmen, war allen Beteiligten ein großes Anliegen. Schule bietet hierfür, als Brennglas auf die Gesellschaft, einen guten Raum – und den Anfangspunkt für eine nachhaltige Veränderung. 

    Carlotta Hein, Q11

  • „Du sprichst aber gut deutsch!“
    Workshop des P-Seminars gegen Rassismus und Antisemitismus

    Wann beginnt Alltags-Rassismus? Was kann ich tun, wenn ich einen rassistischen Vorfall mitbekomme? Wie führe ich selbst durch einen Workshop?

    Mit diesen und vielen anderen Fragen beschäftigte sich eine Gruppe interessierter SchülerInnen der Jahrgangsstufen 10 bis 12 bei einem Workshop der Anne-Frank-Stiftung. Der Politologe Daniel Heinz von der Universität Potsdam war hierfür extra aus Berlin angereist, um mit uns diese Fragen zu diskutieren. Nebenbei lernten die SchülerInnen viele praktische Tipps und Methoden für eigene Workshops kennen, die sie demnächst selber mit jüngeren Jahrgängen durchführen werden. 

    Workshop des P-Seminars gegen Rassismus und Antisemitismus mit Daniel Heinz

    Begeistert war die Gruppe von den zahlreichen interaktiven Zugangsmöglichkeiten, die ihnen Heinz aufzeigte. So erfolgte eine Diskussion beispielsweise über die „Barometer- Linie“: Die SchülerInnen positionierten sich im Pausenhof auf einer gedachten Linie mit dem Polen JA und NEIN zu bestimmten Aussagen. „Findest du es diskriminierend, wenn der Abiball an einem wichtigen muslimischen oder jüdischen Feiertag stattfindet?“ – Viele SchülerInnen positionierten sich bei dieser Frage in der Mitte, weil sie unentschieden waren. Einiger zeigte sich die Gruppe bei dem Fallbeispiel, wenn ein Mädchen mit Kopftuch an der Supermarktkasse für ihre guten Deutschkenntnisse gelobt wird: Viele sahen dies überwiegend als Diskriminierung an. Im anschließenden Gespräch stellte sich heraus: Zwar sind solche Äußerungen gut gemeint, kommen beim Gegenüber aber nicht wirklich positiv an. Heinz verwendet hier das Bild, dass dir ständig jemand „auf die Füße tritt“: Es mag ohne Absicht sein, tut aber trotzdem weh. Vor allem, wenn es immer wieder vorkommt. 

    Genauso verhält es sich mit der oft gestellten Frage „Wo kommst du eigentlich her?“: Der Fragende will damit vielleicht echtes Interesse bekunden, der Befragte wiederum fühlt sich ausgegrenzt, weil er sich aufgrund eines ausländischen Namens oder einer „anderen“ Hautfarbe nicht als „Deutscher“ wahrgenommen fühlt. Man sollte also immer vorher überlegen, wie das Gesagte beim Gegenüber ankommen könnte. 
    Jeder gute Workshop hat ein „gutes Ende“:  Heinz schloss mit einer Courage-Übung ab, bei der es darum geht, eigene Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln: Die Schüler*innen sollten einem schwarzen Klassenkameraden helfen, der im Bus stets als einziger aus seiner Gruppe vom Kontrolleur nach dem Ticket gefragt wird. Hier einigten sich die SchülerInnen: Es ist vor allem wichtig, NICHT zu schweigen oder wegzusehen. Dies wird als stummes Einverständnis mit dem „Täter“ aufgefasst. Vielmehr sollte man Solidarität mit dem Betroffenen zeigen. Beispielsweise indem man den Kontrolleur fragt, warum er immer nur den schwarzen Jungen kontrolliert. Oder notfalls gemeinsam als Gruppe aus Protest den Bus verlässt. 

    Haltung zeigen kann man aber auch beim Abiball: Den einfach so terminieren, dass er eben NICHT auf das Zucker- oder Chanukkafest fällt. Christen wollen sich ja schließlich auch nicht am Heiligabend entscheiden müssen zwischen der jährlichen großen Familienfeier oder der letzten Schulparty ihres Lebens.  

    Workshop-TeilnehmerInnen des P-Seminars „Aktiv gegen Rassismus“

    OStRin Schütze