Erinnerungen sind für die Ewigkeit. Um viele positive Erinnerungen an die Schulzeit zu sammeln, ist das Friedrich-Dessauer-Gymnasium bestrebt, vielfältige Angebote, sei es durch Museumsbesuche, mehrfacher Schüleraustausch, Studienfahrten, Besuche zur Oper oder zu anderen außerschulischen Lernorten und externen Partnern anzubieten.


  • „trotz alledem“- Ausstellungsbesuch der 9abc

    Die Ethikgruppe 9 abc besuchte am 25.5.2022 die Ausstellung „trotz alledem“, die derzeit im Stiftsarchiv gezeigt wird. Thilo Weckmüller hat nach Fotos von Widerstandskämpfern der NS-Zeit farbige Drucke angefertigt. Für die Farbigkeit der Kunstwerke habe er sich entschieden, weil er damit das Andenken der inzwischen alle verstorbenen Menschen in die Gegenwart holen wolle, sagt er. Den Schülerinnen und Schülern fiel der entschlossene Gesichtsausdruck der Portraitierten auf. Mathias Meyers gestaltete die Texte zu den Bildern. Er, der mit dem Aschaffenburger jüdisch- kommunistischen Widerstandskämpfer Peter Gingold und seiner Frau Ettie befreundet war, erzählte packend vom Mut der beiden. So nutzte das Paar eine Tasche, mit dessen präparierten Unterseite sie „ Nieder mit Hitler“ auf Frankfurter Straßen druckten. Peter Gingold war Teil der französischen Résistance. In Haft genommen, wurde er starker Folter ausgesetzt. Nach der Befreiung stellte er sich die Aufgabe den Wert von Freiheit und Demokratie eindringlich Jugendlichen zu vermitteln. Ein Plakat mit der Aussage einer anderen Widerstand Leistenden, Hildegard Schäfer, weist darauf hin, welche Aufgabe uns als Nachgeborenen zukommt. Hildegard Schäfer formuliert: „Wenn wir nicht mehr da sind, ist es an Euch, die Erinnerung wachzuhalten.“

    StRin Grundner

  • „Wo ist Emilia G.?“- ein Besuch im Staatstheater Darmstadt

    Am 28. 4. 2022 besuchte die 10e geschlossen und fast die Hälfte der 10f mit ihren Deutschlehrern Matthias König und Julia Grundner das Staatstheater Darmstadt. Herr König, der im Unterricht Lessings bürgerliches Trauerspiel „Emilia Galotti“ aus der Zeit der Aufklärung behandelt hat, hatte die Fahrt organisiert. Das gegebene Stück „Wo ist Emilia G.?“ verfremdet die eigentliche Handlung im Stil des modernen Regietheaters.

    Die Handlung spielt in der Gegenwart: im Staatstheater Darmstadt ringen der alternde Intendant und sein Dramaturg Marinelli um die richtige Besetzung für eine moderne Inszenierung von Lessings Klassiker. Es werden aktuellen Themen der Kulturszene behandelt: der Intendant stellt sich als autoritärer Choleriker heraus, der die Schauspielerin Orsina sexuell ausbeutet. Neben der #me-too-Thematik thematisiert das Stück die prekären Arbeitsbedingungen des Kulturbetriebs. Orsinas Arbeitsvertrag wird nämlich nicht verlängert.  er  Theaterleiter will „Realness“  ins Theater bringen, um die eigene  Leere und die der Zuschauer zu füllen und engagiert junge Frauen mit Migrationshintergrund für die Rolle der Emilia. Im Gespräch mit ihnen konfrontiert er die jungen  Schauspielerinnen mit stereotypen Vorurteilen über Menschen, die nicht weiß sind. Hier wird  über den Sinn von Kunst und Theater und Diskriminierung nachgedacht. Am Ende zerstören die Mädchen, die vom „alten weißen Mann“ genervt sind, das Bühnenbild und spielen einen gewalttätigen Mord am Theaterleiter nach. Das Theater dekonstruiert sich selbst.

    Und was sagen unsere Schüler: „Genau so ist es !“ (Aussage während der Intendant überlegt, wie die Leere des Menschen zu füllen mit „Realness“ zu füllen ist) „Danke, Herr König!“ (nach der Vorstellung).

    StRin Grundner

  • Besuch im Kirchnerhaus

    Der Kurs 12d6 hat am 16.12. die aktuelle Ausstellung im Kirchnerhaus Aschaffenburg, „die Badenden“, besucht. Während sich ein Teil der Gruppe von der Kuratorin Frau Dr. Schad im Kirchnerhaus führen ließ, konnte der zweite Teil den von Studierenden der  TH Aschaffenburg gestaltete  Kubus am Aschaffenburger Bahnhof erleben, der in die  Ausstellung integriert worden ist.

    Was hat es mit diesem Kubus, der später in Davos und Fehmarn, weiteren Lebensstationen von Ernst Ludwig Kirchner, zu sehen sein wird, auf sich?

    Der weltberühmte Expressionist Kirchner, Mitglied der Künstlerorganisation „die Brücke“, wurde in eben jenem „Haus am Bahnhof“ geboren, das wir besucht haben. Aus dem Ersten Weltkrieg kommt er 1916 krank zurück, er konnte den Krieg nicht aushalten. In Königstein begibt er sich deshalb in ein Sanatorium, wo er das Treppenhaus mit großflächigen Wandmalereien, die Badende darstellen, ausgestaltet. Dabei nutzt er sein berühmtes Kobaltblau. 1936 werden seine Bilder von den Nazis als „entartete Kunst“ bezeichnet. Die Malereien des Sanatoriums werden unwiederbringlich zerstört. Der Kubus am Aschaffenburger Bahnhof ist eine originalgetreue Nachbildung des Königsteiner Treppenhauses und ermöglicht ein sinnliches Eintauchen in Kirchners Kunst. 

    Die SchülerInnen interessierten sich in der Ausstellung  besonders für „psychedelisch“ anmutende Bilder aus Kirchners Spätwerk, die sie mit seinem Morphiumkonsum in Verbindung brachten. Frau Dr. Schad konnte uns brandneue Erkenntnisse über die Todesumstände Kirchners, der mit 56 Jahren mit zwei Kugeln im Herzen aufgefunden wurde, mitteilen. 

    StRin Julia Grundner

  • Häkellook, Peacezeichen und Buddhastatue – FDGler besuchen den Happy Hippie Jew Bus
    Der Happy Hippie Jew Bus

    Die Künstlerin Anna Adam und die KantorinJalta Rebling aus Berlin haben am 20.10.21 mit ihrem VW- Bus auf dem Aschaffenburger Schlossplatz Station gemacht. Der Bus ist mit allen Reminiszenzen an die 68- Zeit, die man sich denken kann, ausgestattet: Häkellook, Peacezeichen und Buddhastatue im Kofferraum. Damit haben sie sich vor zehn Jahren aufgemacht, weil sie das Gefühl hatten, „es gäbe Missverständnisse zwischen Juden und Deutschen“ zu klären. Mit der Botschaft der Hippies, die für Weltfrieden und interkulturelle bzw. interreligiösen Dialog eintraten, versuchen sie seitdem, ihren Beitrag zur Klärung dieses Missverständnisses zu leisten Und es gibt ihrer Aussage nach viel zu tun. Das P-Seminar von Frau Schütze und die Klasse 8f mit Frau Grundner haben dem HappyHippieJew – Bus einen Besuch abgestattet und neue Erkenntnisse gewonnen. 

  • FDG meets Lena Gorelik

    In diesem Jahr finden in ganz Deutschland und auch in  Aschaffenburg zahlreiche kulturelle Veranstaltungen statt, die darauf aufmerksam machen, dass auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands seit 1700 Jahre jüdische Menschen leben. Am 14.10. haben Schüler der 10., 11. und 12. Klassen zusammen mit Frau Grundner eine Lesung von Lena Gorelik besucht.

    SchülerInnen des FDGs

    Die 1991 in Sankt Petersburg geborene Schriftstellerin und Journalistin Lena Gorelik ist 1992 als sogenannter „Kontingentflüchtling“nach Deutschland gekommen. In großer Zahl reisten Menschen jüdischer Herkunft aus der ehemaligen Sowjetunion ein, die sich dieser Wurzeln aber gar nicht bewusst waren oder sie vielmehr ausstrecken konnten, weil jüdisches Leben in der UdSSR tabuisiert war. In Deutschland ist Lena Gorelik in einer Flüchtlingsunterkunft in Schwaben aufgewachsen. In ihrem autobiographischen Buch „Wer wir sind“ findet Gorelik Worte für das, was eigentlich schwer zu fühlen und auszudrücken ist:  Das Erleben der deutschen Wohlstandsgesellschaft, das Anderssein, das Ankommen und den Spalt, der sich zwischen ihr und ihren Eltern auftut. Dabei geht aus ebenfalls um die großen Empfindungen „Scham“ und „Schmerz“. Mit großer Stärke, Gelassenheit und viel Humor ging Gorelik nach der Lesung auf Fragen aus dem Publikum ein. Auch die Schüler des FDGs haben sich mehrfach zu Wort gemeldet und sich beeindruckt gezeigt.