Große Herzlichkeit und tiefe Einblicke in eine völlig andere Lebenswelt erlebten zwei achte Klassen des Friedrich-Dessauer-Gymnasiums bei einem besonderen Besuch: Schwester Rachel Togbe berichtete eindrucksvoll von ihrer langjährigen Arbeit in einem Lepradorf in Westafrika.

Große Herzlichkeit und tiefe Einblicke in eine völlig andere Lebenswelt erlebten zwei achte Klassen des Friedrich-Dessauer-Gymnasiums bei einem besonderen Besuch: Schwester Rachel Togbe berichtete eindrucksvoll von ihrer langjährigen Arbeit in einem Lepradorf in Westafrika.
Die besuchten Klassen werden im Fach Religion von Frau StRin Katharina Herold und Frau StRin Tatjana Wissel unterrichtet. Vermittelt wurde die Begegnung durch Frau StRin Judith Klein, die den Kontakt zur Ordensschwester hergestellt hatte und den Besuch organisierte. So entstand für die Schülerinnen und Schüler eine Begegnung, die weit über den regulären Unterricht hinausging.
Schwester Rachel gehört dem beninischen Orden „Servantes de la lumière du Christ“ an und wurde von Initiatorin und Übersetzerin Kerstin Balkow begleitet. Offen und herzlich erzählte die Kranken- und Ordensschwester aus ihrem Alltag in einem Lepradorf, das sie 16 Jahre lang leitete. Schnell wurde deutlich, dass ihre Arbeit weit über medizinische Versorgung hinausgeht: Sie schenkt Menschen Hoffnung, Würde und neue Perspektiven.
Schleichende Gefahr und soziales Stigma
Anhand zahlreicher Fotos führte die Ordensschwester den Jugendlichen einfühlsam vor Augen, was die in Europa als ausgerottet geltende Krankheit Lepra für Betroffene bedeutet: soziale Isolation und ein Leben fernab vom Heimatdorf. Die Krankheit beginnt schleichend mit Taubheitsgefühlen. Verletzungen bleiben dadurch häufig unbemerkt und entzünden sich schwer: „Betroffene merken oft nicht einmal, wenn sie über glühende Kohle laufen“, erklärte die Schwester. Wenn Medikamente nicht mehr helfen, bleibt oft nur die Amputation von Gliedmaßen. Besonders eindrücklich für die Jugendlichen war die Vorstellung, dass Erkrankte Schmerzen oft gar nicht mehr wahrnehmen können.

Obwohl die Krankheit heute gut behandelbar ist, bleibt das Stigma. Aus Angst vor Ansteckung werden Erkrankte aus ihrem Umfeld ausgestoßen und verlieren den Kontakt zu Familie und Freunden. Gemeinsam mit ihren Kindern leben sie anschließend isoliert im Lepradorf.
Würde und Lebensfreude schenken
Die Schülerinnen und Schüler beeindruckt vor allem, mit welcher Kraft und Lebensfreude Schwester Rachel den Menschen begegnet. Sie versorgt Wunden, wechselt Verbände und sorgt für Hygiene und Medikamente. Vor allem aber möchte sie den Menschen ihre Würde zurückgeben. „Jeder Mensch soll spüren, dass er wertvoll ist“, erklärte sie den Jugendlichen. Deshalb motiviert sie die Bewohnerinnen und Bewohner, trotz ihrer Einschränkungen zu arbeiten und sich in die Gemeinschaft einzubringen. Aus ihrem Glauben schöpft sie eine unerschütterliche Energie, immer sucht sie nach neuen Möglichkeiten, um das Leben so schön und leicht wie möglich zu machen.
Dass dies gelingt, zeigen viele Bilder aus dem Alltag des Dorfes: Trotz aller Not wird gemeinsam gearbeitet, gelernt und ausgelassen gefeiert. Gerade diese Mischung aus Leid, Hoffnung und Zusammenhalt beeindruckte die Jugendlichen besonders.
Zum Lepradorf gehören zudem ein Kindergarten und eine kostenlose Schule. Wie groß die Not vor Ort ist, zeigt eine Entwicklung der letzten Jahre: Nur wenige Kilometer entfernt ist ein neues Dorf entstanden. Dort leben die Ärmsten der Armen. Ihr Hunger ist größer als die Angst vor Ansteckung. Die Kinder dieser Familien laufen täglich drei Kilometer ins Lepradorf, um am Unterricht teilzunehmen und eine Mahlzeit zu erhalten. Auch für sie ist Schwester Rachel da.
Begegnung, die nachwirkt
Die jeweils 45-minütigen Besuche vergingen wie im Flug. Durch ihre offene Art gewann die Ordensschwester schnell das Vertrauen der Achtklässler. Die Schülerinnen und Schüler stellten zahlreiche Fragen – einige sogar mutig auf Französisch, der Muttersprache des Gastes. Tief beeindruckt überreichten die Klassen der Ordensschwester eine zuvor gesammelte Spende für ihre wichtige Arbeit vor Ort – verbunden mit großem Dank für diese bewegende Begegnung.
Judith Klein, StRin
