Mina Gampel tritt erst seit kurzem als jüdische Zeitzeugin des Holocausts auf. Vor zwei Jahren ist sie auf Birgit Mair gestoßen, die mit ihrem „Institut für Sozialforschung“ Opfer der Shoah professionell bei deren Besuch in Schulen begleitet. In der Zeit davor habe sie, so sagt sie im Vorgespräch, jüdischen Zeitzeugen, die von den Nationalsozialisten in Konzentrationslager gesperrt worden sind, den Vortritt lassen wollen bei den Gesprächen mit der Jugend.

Erst seit viele Opfer verstorben sind und nicht mehr versuchen können, das erlebte Grauen zu verbalisieren, meldet sie sich zur Wort. Ihr bewegtes Privatleben und ihre bis heute, im Alter von 84 Jahren, andauernde berufliche Tätigkeit als Dozentin an der Kunstakademie und Künstlerin scheinen sie auch jahrzehntelang einigermaßen in Atem gehalten zu haben. In jüngster Vergangenheit erfährt sie laut ihrer Erzählung Kontemplation in literarisch- philosophischen Studien. Gampel gibt eine Botschaft der Lebensbejahung und Liebe an die zahlreich versammelte Zuhörerschaft weiter. Diese kommt offensichtlich an, die Jugendlichen können gar nicht aufhören, Frau Gampel nach dem Ende der Veranstaltung um Selfies zu bitten.

Hinter dieser eindringlichen Bejahung des Leben liegt ein Schmerz, den sie nicht immer ausspricht, sondern oft nur andeutet oder erst auf Nachfrage preisgibt. Frau Gampel hat während der Flucht vor den Nationalsozialisten als Kleinkind nach Kirgisistan drei Geschwister verloren, die verhungert oder von Wehrmachtssoldaten erschlagen worden sind. Nur sehr wenige jüdische Menschen aus Frau Gampels Heimatort im heutigen Belarus haben den Holocaust überlebt. Während des deutschen Vormarsches ab 1941 in die UdSSR kam es zum sogenannten „Verborgenen Holocaust“. Deutsche Wehrmachtssoldaten trieben die jüdische Bevölkerung zusammen und erschossen sie. Dies ist auch in Minas Heimatdorf passiert. Frau Gampel weiß auch vom polnischen Antisemitismus der Nachkriegszeit zu berichten und wie schwer es ihr gefallen sei, 1967 in die Bundesrepublik, das Land der Täter, zu kommen. Mehrfach betont sie, die lange in Israel gelebt hat, wie angefasst sie vom Massaker der Hamas vom 7. Oktober 2023 auf israelische Zivilisten ist.

Ein herzlicher Dank geht an die Georg von Vollmar-Stiftung für die Finanzierung der Veranstaltung und allen Beteiligten, die zum Gelingen beigetragen haben.

Julia Grundner (Alle Bilder wurden von Maria-Theresia Jacob aufgenommen.)