Schülermedientag – FDG auf den Spuren des NSU

Über 5 Jahre dauerte der Prozess gegen den sogenannten Nationalsozialistischen Untergrund, eine Gruppe aus drei rechtsextremen Mördern, die zwischen 2000 und 2007 neun Mitbürger migrantischer Herkunft und eine Polizistin ermordet hatten. Über diesen und weitere Prozesse, so auch über den Mordfall Walter Lübcke, hat Annette Ramelsberger als Journalistin für die Süddeutsche Zeitung berichtet.
Anlässlich der diesjährigen Schülermedienwoche teilte die Gerichtsreporterin in einem Livetalk ihre Erfahrungen mit Schüler:innen aus ganz Bayern, unter anderem der 9pe des Friedrich-Dessauer Gymnasiums Aschaffenburg. Die Medienwoche wird jedes Jahr von der Bayrischen Landeszentrale für politische Bildung, dem bayerischen Rundfunk sowie zahlreichen privaten Medienhäusern ausgerichtet.
Im Verlauf des Gesprächs zum Thema „Rechtsextremer Terror – Demokratie in Gefahr” thematisierte die Korrespondentin die Verbreitung rechtextremen Gedankenguts im Internet und im eigenen Umfeld. Dabei gab sie auch Tipps, wie man sich dagegen wehren kann. Besonders betont Ramelsberger, dass auf fremdenfeindliche, antisemitische oder anders verächtlich machende Kommentare sofort Widerspruch folgen müsse. Sonst fühlten sich die Betreffenden durch fehlenden Widerspruch in ihrer Meinung bestätigt und von der schweigenden Mehrheit anerkannt. Über den Prozess gegen Beate Zschäpe als letztes Mitglied des Nationalsozialistischen Untergrundes, mit 5 Jahren und 2 Monaten der längste Prozess ihrer Laufbahn, hat sie sogar ein Buch geschrieben. Im Gespräch berichtete sie außerdem von persönlichen Erfahrungen, die sie bei ihrer Arbeit als Gerichtskorrespondentin gemacht hat. So bekommen Reporter vor Verhandlungen beispielsweise oft Einschüchterungsschreiben von Anwälten, um die Berichterstattung zu stören. Für große Verlagshäuser sei das kein Problem, aber für kleine Regionalblätter oft genug Grund, aus Angst vor Rechtsstreitigkeiten und hoher Kosten, nicht zu berichten. Eine weitere unangenehme Erfahrung, die Ramelsberger im Gerichtssaal machen musste, seien Rechtsextreme auf den Tribünen des Gerichtssaals gewesen, die Journalisten bei ihrer Berichterstattung beobachteten, bedrängten und bei dem überraschend geringen Strafmaß in Jubelschreie ausbrachen.
Erst vor wenigen Monaten begleitete die Journalistin den Prozess gegen den Mörder an Walter Lübcke. Eine, während Corona, wie die Korrespondentin schilderte, nicht immer einfache Aufgabe. Um einen der wenigen begrenzten Plätze für Journalisten bei der Verhandlung zu ergattern, habe sie vor Beginn des Prozesses bereits mitten in der Nacht, auf einem Campingstuhl vor dem Oberlandesgericht in Frankfurt in der Warteschlage ausharren müssen. Aktuelle Bedrohungen sieht Ramelsberger vor allem in Demonstrationen und Bewegungen wie den Querdenkern, bei denen sich Rechtsextreme an breitere sogenannte “bürgerliche” Bevölkerungsgruppen anhängen und damit rechtsextremes Gedankengut weiterverbreiten können. Schließend plädierte Ramelsberger für mehr Sensibilität gegenüber Hass und Hetze in den sozialen Netzwerken. Aus Worten könnten leicht Taten folgen. Außerdem forderte sie ihre Zuhörer auf, sich für die gemeinsame Demokratie und Gesellschaft einzusetzen.
Die Veranstaltung hat uns gut gefallen, weil es sehr interessant war zu hören, wie Journalist:innen arbeiten und welche Aufgaben diese zu bewältigen haben. Außerdem konnte man über ein paralleles Programm Fragen an die Korrespondentin stellen. Gerade jetzt im Homeschooling bietet es sich an, im Unterricht an einer dieser Talkshows im Rahmen einer Unterrichtsstunde teilzunehmen.
©Jonas Glaser, Jesaja Bauer 9pe

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