Westphal Bericht

Europapolitik am FDG
Europaparlamentarierin Kerstin Westphal berichtet über ihre Arbeit in Brüssel

Zum 60. Mal jährte sich vergangenen Samstag der Tag, an dem die Römischen Verträge unterzeichnet wurden. Dies war die Geburtsstunde der heutigen Europäischen Union, dem Arbeitsplatz von Kerstin Westphal. Die Abgeordnete des Europaparlaments konnte trotz ihres vollen Terminkalenders am Freitag,  den 24.03. das Friedrich-Dessauer-Gymnasium in Aschaffenburg besuchen, um über ihre Arbeit zu berichten und mit den Schülern der Q12 über Europapolitik zu diskutieren.
Zunächst schilderte Frau Westphal ihren eigenen Weg in die Politik. Angefangen hatte dieser im Alter von ungefähr 18 Jahren in den späten 70er. Damals wollte sie mit einigen Freunden einen Raum für Jugendarbeit in ihrem Heimatort aufbauen und entdeckte, wieviel man durch Eigeninitiative erreichen kann. 1996 wurde sie für die SPD in den Schweinfurter Stadtrat gewählt. Ihr europäische Bewusstsein wurde geweckt durch die Tatsache, dass in Schweinfurt einer Krise im Metallbau nur mithilfe von Fördergeldern aus den Töpfen der Europäischen Union entgegen gewirkt werden konnte und somit viele Arbeitsplätze erhalten werden konnten. Diese Tatsache ist auch der Grund, weshalb sich Frau Westphal heute besonders für die Förderpolitik in Europa stark macht und für die Europäische Union wirbt. Unter anderem ist sie Mitglied im Ausschuss für regionale Entwicklung.
Dass in Brüssel nicht alles perfekt läuft, sieht Frau Westphal ein, wehrt sich jedoch auch gegen das Vorurteil, dass nur Schlechtes von dort kommt. Anschließend verdeutlichte sie mit einem treffenden Vergleich der EU mit einem Geodreieck das Tauziehen in der Europapolitik. Die drei Seiten des Dreiecks sind dabei Europaparlament, europäische Kommission und die Mitgliedsstaaten, die laut Westphals Aussagen zu passiv agieren und beeinflusst durch einen starken Rechtsdrift ihrer Länderparlamente immer mehr kontra EU eingestellt sind. Auf die Frage eines Schülers, wie die Entwicklung in Deutschland aussehe, verweist die Parlamentarierin auf die Bürgerbewegung „Pulse of Europe“, die sich mit Demonstrationen und Kundgebungen für den europäischen Gedanken einsetzt.
Mit zwei Kindern ist der Berufsalltag für Frau Westphal nicht immer einfach zu meistern. Normalerweise ist ihr Büro in Brüssel. Monatlich findet außerdem ein Treffen des EU-Parlaments in Straßburg statt, zu dem die Abgeordneten erscheinen.
Ein zentrales Thema von Frau Westphal ist  der Kurs vieler  Nationalstaaten in jüngster Vergangenheit in Richtung Nationalismus. Mit einer persönlich gefärbten Erzählung über die Grausamkeiten des Zweiten Weltkrieges und den Flüchtlingswellen in dieser Zeit verdeutlichte die Abgeordnete, wie wichtig es sei, den Flüchtlingen zu helfen und die Staaten , die hier viel zu stemmen haben, zu unterstützen. Über allem steht überdies die Aufgabe, ein funktionsfähiges und weltoffenes, tolerantes Europa zu erhalten und weiter zu entwickeln. Immer wieder betonte sie die Rolle der EU als Fundament des Friedens und der Verständigung in Europa.
Für uns Schüler bot dieser Vortrag ungeahnte Einblicke in die Arbeit der Europäischen Union und uns wurde bewusst, dass Europa trotz einiger Probleme eine Idee ist, die man unbedingt unterstützen sollte.
(Lukas Imgrund und Linus Bickert, Q12)

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