„Einmal Dessauer, immer Dessauer“ — Abschiedsinterview mit Arthur Eck

Anlässlich des Abschieds von Herrn Eck in den wohlverdienten Ruhestand entstand das folgende Interview:                                 

Herr Eck, am 8. September 2020 beginnt in Bayern wieder der Schulunterricht. Wo sind Sie an diesem Tag?

Am 8. September bin ich auf Zakynthos, das ist eine wunderschöne griechische Insel im Ionischen Meer. Wir fahren bewusst am letzten Ferientag, weil ich nicht, wie z.B. Theodor Ruf, der zu der ersten Konferenz noch einmal erschienen ist, in der Schule sein will.

 

Nutzen Sie dann auch bewusst den letzten Ferientag, um in einer Zeit außerhalb der Ferien verreisen zu können?

Auf jeden Fall! Im August werde ich nie mehr in den Urlaub fahren. Alfred Schmitt hat mir einmal ausgerechnet, dass eine Familie mit zwei Kindern bis zu 2000 Euro spart, wenn sie erst im September statt zur Hochzeit im August in den Urlaub fährt. Denn ab erstem September beginnt die Nachsaison.

 

Sie gehen in Pension, worauf freuen Sie sich am meisten?

Ich freue mich am meisten darauf, dass ich mir dann meine Zeit frei einteilen kann. Dass ich nicht mehr morgens um sechs Uhr aufstehen muss, sondern dann, wann ich will. So hat man ganz andere Möglichkeiten.

 

…und was werden Sie am meisten vermissen?

Vermissen werde ich natürlich die Kolleginnen und Kollegen hier, denn die Schule hat mir sehr gut gefallen. Ich bin ja bis zum bitteren Ende geblieben, ich werde im August 66! Ich hätte auch Altersteilzeit beantragen können, aber ich wäre auch noch ein Jahr geblieben, denn ich liebe die Schule! „Einmal Dessauer, immer Dessauer“ war mein Motto. Ich war schon als Schüler hier, sodass ich mit meiner eigenen Schulzeit insgesamt 44 Jahre an der Schule war, das muss erst einmal jemand toppen!

 

Haben Sie dann schon irgendeinen Platz oder eine Gedenktafel?

(lacht) Nein, ein Grab auf dem Pausenhof will ich nicht.

 

Gibt es denn etwas, worüber Sie sich am meisten aufgeregt haben, trotz der Tatsache, dass das FDG ihre Lieblingsschule ist?

Da gibt es einen Fall während meiner Tätigkeit als stellvertretender Schulleiter. Eigentlich habe immer ich als stellvertretender Schulleiter die Pausenaufsicht eingeteilt. Dann haben wir unter Georg Behütuns (Anmerkung: ehemaliger Schulleiter) die glorreiche Idee gehabt, dass wir doch die KollegInnen sich selbst einteilen lassen könnten. Unten (im Lehrerzimmer) an der großen Tafel konnte sich jeder eintragen, und angeben, wer, wann und wo Aufsicht machen wolle. Dann gab es natürlich über den Personalrat Beschwerden, weil für die Teilzeitkräfte, die an diesem Tag nicht da waren, nur noch Frühaufsichten frei waren. Also haben wir das System wieder zurückgenommen und ich habe die Aufsichten eigenständig eingeteilt. Ich habe mir eine genaue Liste gemacht und so gut es geht versucht, die KollegInnen gerecht einzuteilen. Was mich dann sehr aufgeregt hat, war, dass mir in diesem Jahr vom Personalrat unterstellt worden ist, dass ich das eben nicht gerecht eingeteilt und manche LehrerInnen bevorteilt habe. Ich konnte aber sofort begründen, warum und wieso der oder diejenige keine Aufsicht bekommen hat. Das hat mich so aufgeregt, dass ich zu denen gesagt habe „Ihr könnt mich mal, ich mache das nicht mehr“ und seitdem mache ich diesen Aufsichtsplan nicht mehr. Das hat mich sehr mitgenommen, besonders da man mir, nach tagelanger intensiver Arbeit an dem Aufsichtsplan, unterstellt hat, ich würde KollegInnen bevorteilen, aber das konnte ich alles entkräften. Im nächsten Jahr haben sie mich angebettelt. „Herr Eck, machen sie’s!“, aber da ich zu meinem Wort stehe, habe ich das abgelehnt. Es hat mir damals aber übel aufgestoßen, weil ich wirklich versucht hatte, mein Bestes zu geben und man gemeint hatte, der stellvertretende Schulleiter sei parteiisch.

 

Gibt es dann unabhängig von diesem eher negativen Ereignis, ein Ereignis, das Ihnen in besonders positiver Erinnerung geblieben ist?

Ein besonderes Ereignis war für mich immer der Kollegen-Sport, das war die schönste Stunde der ganzen Woche in der Schule und da muss ich den Vorgänger Michael Lummel loben, der den Montagnachmittag von Schulleitungssitzungen immer frei gehalten hat, auch wenn das nicht alle eingesehen haben.

 

Es ist ja bekannt, dass Sie ein leidenschaftlicher Badminton-Spieler sind, wer war denn ihr Lieblingsgegner?

Da gibt’s viele. Jetzt zum Beispiel spiele ich sehr gern gegen Harry Gaube oder Andi Pechtl, früher habe ich gern gegen zwei gleichzeitig spielt, weil es für mich immer eine gewisse Herausforderung war. Am Anfang, bevor ich ins Direktorat kam, habe ich auch gerne gegen Schüler oder Schülerinnen gespielt, die mich mit der gesamten Unterstützung der Klasse herausgefordert haben.

 

…und mit wem am liebsten im Doppel?

Ich hasse Doppel, weil ich zu gut war und im Doppel wird dann immer mein Partner angespielt, da steh ich da und habe nichts zu tun. Nein, ich habe dann allein gegen zwei gespielt, das war mein Doppel und auch da habe ich meistens gewonnen — nicht immer (grinst). Heute spiele ich sehr gern gegen Andy Pechtl oder Harry Gaube, das sind die, die noch übrig geblieben sind.

 

Wie viel Schläger haben Sie denn schon durchgespielt?

Mehrere, ich kann das schon nicht mehr zählen. Gestern habe ich zum Beispiel gegen Andy Pechtl gespielt und musste in Deckung gehen, weil er so fest geschlagen hat, dass mir anstatt des Bällchens sein Schläger entgegen geflogen kam. Da geht’s immer ganz schön zur Sache. Also Badminton — das ist mein Leben. Deshalb werde ich auch nicht kalt aussteigen, sondern nächstes Jahr am Freitagnachmittag zwei Stunden Badminton als Wahlkurs anbieten. Ich bleibe dem FDG erhalten und werde sicher auch mal vorbeischauen, um zu erfahren, ob es noch etwas zu tun gibt und ob die mit allem klarkommen.

 

Sie sind sehr sportgeistert und man weiß, dass Sie im Obernauer Wald joggen gehen. Was war denn ihre weiteste Joggingstrecke und nutzen Sie dann ihre neu gewonnene Freizeit auch dafür, weitere Bestzeiten aufzustellen?

Ja, Joggen liebe ich, inzwischen jogge ich zusammen mit meiner Frau unsere „Hausstrecke“. Wir sind vor 30 Jahren nach Obernau gezogen, weil wir dort gebaut haben. Das Grundstück haben wir von meiner Mutter geerbt, ansonsten hätten wir das Grundstück erwerben und darauf ein Hauszelt aufbauen können (lacht). Es ist auch heute noch eine sehr schöne Lage am Waldrand, 50 m vom Naturpark Spessart entfernt, 100 Meter Luftlinie zur Obernauer Kapelle und just in dem Jahr bevor wir dort hingezogen sind, ist Obernau 900 Jahre alt geworden, und da haben die so einen Jubiläumslauf gemacht. Die Jubiläumsstrecke ist 10 km lang, rund um den Kapellenberg, wo es serpentinenartig hoch geht. Das ist meine Lieblingsstrecke. 10 km bin ich in meiner besten Zeit zusammen mit dem inzwischen ehemaligen Schulleiter des Butzbach-Gymnasiums in Miltenberg und der noch aktiven Schulleiterin des Hans-Seidel-Gymnasiums in Hösbach innerhalb von 45 Minuten gelaufen, das war aber absolut top, weil das nicht auf einem flachen Sportplatz war, sondern vor allem weil es ständig hoch und runter geht. Heute brauch ich weit über eine Stunde (lacht).

 

Zurück zur Schule. Wissen Sie, wie viele verschärfte Verweise sie ausgestellt haben?

Also das ist ganz unterschiedlich. Es kommen ja Lehrkräfte zu mir, die sagen, das ist der dritte Verweis und verlangen dann auch, dass das automatisch ein verschärfter Verweis wird. Diese Fälle habe ich nie einfach so automatisch behandelt, nach dem Motto, das ist jetzt ein Selbstgänger. Nein, da habe ich immer erst nachgeschaut. Aber bei einem anderen Mal habe ich auch gleich beim ersten Vergehen einen verschärften Verweis ausgestellt, wenn das ein entsprechend schwerer Verstoß war, wenn z.B. jemand gewalttätig gegen eine Lehrkraft wurde, was es leider inzwischen auch gibt, oder auch gegenüber anderen SchülerInnen, da habe ich nicht abgewartet. Insgesamt müsste ich ca. 100 verschärfte Verweise ausgestellt haben, das sind gar nicht allzu viele. Vor allem wenn man bedenkt, dass ich seit 18 Jahren stellvertretender Schulleiter bin.

 

Gibt es denn einen Verweis, an den Sie sich besonders erinnern, weil es besonders kurios war?

Nein, da gibt’s keinen besonderen, an den ich mich erinnere.

 

Sie haben zahlreiche Entschuldigungen unterschrieben. Was war für Sie die besonders originellste Entschuldigung?

Das war in einem Grundkurs Englisch, also noch zu früheren Zeiten des jetzigen G9, in dem ein männlicher Teilnehmer als Entschuldigungsgrund Menstruationsbeschwerden geschrieben hat. In diesem Fall muss ich aber zugeben, dass ich der Kursleiter war und ihnen gesagt habe: Lasst euch mal gefälligst etwas einfallen und schreibt nicht so langweilige Sachen.

 

Was würden Sie den SchülerInnen von heute als Ratschlag mit auf den Weg geben wollen?

Die sollen froh sein, dass sie hier am Friedrich-Dessauer-Gymnasium sind. Ich finde, wir sind eine großzügige, liberale Schule. Eine Schule, die auf die SchülerInnen eingeht, die sehr viel Rücksicht auf sie nimmt. Ich würde aber nicht unbedingt den Slogan, den mein Vorgänger geprägt hat, nämlich dass wir die größten und die besten sind, wählen, das würde ich nicht unbedingt unterstreichen.

 

Was macht dann das FDG für Sie aus?

Dadurch dass wir eine sehr große Schule sind, konnten wir beispielsweise zu Zeiten des G9, weil die Anzahl der Leistungskurse an die Anzahl der SchülerInnen in der Oberstufe gebunden war, die gesamte Palette aller Fächer anbieten, sodass wir Leistungskurse in praktisch allen Fächern hatten. Wir als grundständig mathematisch-naturwissenschaftliches Gymnasium konnten so z.B. einen Leistungskurs in Kunst anbieten, sodass sogar SchülerInnen vom musischen Dalberg-Gymnasium hierhergekommen sind, weil sie den Leistungskurs in Kunst belegen wollten. Hier passt auch der Slogan des Vorgängers von Herrn Richter „Schule der Vielfalt“ gut, weil wir so viel anbieten.

So zum Beispiel unser Angebot im differenzierten Sport, das ist einzigartig. Nicht nur weil wir Stützpunktschule für ganz Nordbayern sind, sondern auch, dass wir durch die Nähe zum Main Rudern anbieten können. Mit Herrn Langermann haben wir den ehemaligen Jugend-Vize -Europameister im Judo am FDG als Sportlehrer, weshalb wir  auch Judo für AnfängerInnen und Fortgeschrittene anbieten. Nicht zu vergessen Jeanette Seitz, eine Sportlehrerin, die in der Fußballbundesliga beim FFC Frankfurt gespielt hat und jetzt von Alfred Schmitt die Fußballmädchen übernimmt. Es ist also Wahnsinn, was wir für super Lehrkräfte haben und was wir anbieten können, gerade auch für Mädchen, die zu Beginn meiner Laufbahn ein Drittel der Schülerschaft am FDG gestellt haben. Jetzt sind wir trotz der hiesigen Konkurrenz durch das Maria-Ward-Gymnasium, das Dalberg-Gymnasium mit seinem musischen Zweig, den viele Mädchen besuchen, oder das Kronberg-Gymnasium mit seinem sprachlichen Zweig, das viele Mädchen anzieht, bei einem Mädchenanteil von 40 %! (Lacht) Ich frage mich, woher unsere Mädchen überhaupt noch kommen.

 

 

Sie haben in Ihrer Laufbahn viele Unterrichtsbesuche durchgeführt. Welchen Tipp würden Sie den KollegInnen geben, um möglichst guten Unterricht zu halten?

Für mich ist ein guter Unterricht, und da muss ich wieder den Vorgänger von Herrn Richter zitieren, wenn er schülerzentriert gestaltet ist. Wenn also die SchülerInnen sehr aktiviert werden und nicht frontal unterrichtet wird. Frontalunterricht ist zwar manchmal auch gut, aber nicht 45 Minuten lang. Ein 45-minütiges Lehrer-Schüler-Gespräch kann tödlich sein, für den, der da hinten drin sitzt. Man schläft ein, man ermüdet, da muss ein Methodenwechsel vorhanden sein. Mehrere Wechsel der Methoden in einer Stunde sind ganz toll. Natürlich kann auch mal eine Zeitlang Frontalunterricht dabei sein, wenn man ein neues grammatikalisches Phänomen in der Sprache einführt, dann kann das auch mal als Input kommen, damit man die Schüler das nicht selbst erarbeiten lassen muss und die Hälfte nicht Falsches macht.

Darüber hinaus sollte man auf gar keinen Fall, und das haben mehrere Kolleginnen gemacht, mich dahinten miteinbeziehen. Als Experte für meine Fächer durften mir einmal in Englisch die SchülerInnen Fragen stellen oder auch in Religion ist das schon einmal vorgekommen, das ist aber nicht Sinn und Zweck eines Unterrichtsbesuchs, wurde aber mehrmals gemacht, ausschließlich von weiblichen Kolleginnen, die Männer haben das nicht gemacht.

 

Das FDG ist eine Seminarschule, welche Ratschläge würden sie ReferendarInnen, die in den Schuldienst gehen wollen, geben?

Sich reinhängen, das Beste geben, alles geben! Als ich in meinem Jahrgang eingestellt wurde, wurden 8 % übernommen. In meiner exotischen Fächerkombination mit Englisch und Religion als auch mit Französisch und Religion wurde sogar insgesamt nur einer in ganz Bayern übernommen, das war eine ganz brutale Situation. Ich würde den ReferendarInnen den Tipp geben, “Hängt euch rein!“ Der Lehrerberuf ist schönste Beruf auf der ganzen Welt, ich kann mir nichts Schöneres vorstellen oder — ohne eine Parteipolitik betreiben zu wollen — wie es der ehemalige SPD-Vorsitzende einmal gesagt hat: „Der Lehrberuf ist der beste Beruf neben Papst.“ (lacht) Auch später als stellvertretender Schulleiter ist kein Tag wie der andere. Ich weiß morgens nicht, was kommt, welche Eltern anrufen, welche SchülerInnen kommen, welche KollegInnen, die Probleme haben, kommen, oder was auf einem zukommt. Jeder Tag ist anders! Von welchem Beruf kann man das behaupten? Der Lehrberuf ist so interessant, weil man mit jungen Leuten zu tun hat. Man lernt die Kinder kennen und kann sie von der Kindheit über die Pubertät bis zum jungen Erwachsenenalter begleiten. Wenn ich das mit der FOS/BOS vergleiche, bei denen es nur die zwei Jahrgangsstufen elf und zwölf gibt, ist der Gymnasiallehrer der beste Beruf und wenn man dann noch so ein Fach hat wie ich, dann kann man mit den Kindern und Jugendlichen ins Gespräch kommen.

 

Was hat sich denn in den Jahrzehnten ihres pädagogischen Wirkens Ihrer Meinung nach zum Positiven als auch zum Negativen geändert?

Heute halten zum Beispiel die Ideen einer Maria Montessori Einzug in den Unterricht. Die SchülerInnen haben totale Freiarbeit und können beispielsweise wählen, ob sie eine ganze Woche nur Deutsch oder Mathematik machen wollen und können heraussuchen, was sie machen wollen. Und zum Negativen hat sich eigentlich meiner Meinung nach nichts verändert, der weitverbreiteten Meinung, dass die SchülerInnen heute viel schlechter sind und dass sie nichts mehr können, schließe ich mich nicht an. Es gab auch früher schon schlechte SchülerInnen und es gibt auch heute noch Koryphäen.

 

Was haben Sie in der Zeit als Lehrer über sich selbst gelernt?

Dass man vorsichtig mit Bemerkungen aus dem Privatleben sein muss, dass man nicht so oft  etwas aus dem Privatleben erzählen sollte und ansonsten, dass man SchülerInnen natürlich nicht zu nahe treten sollte. Manchmal macht man, und dazu neige ich, eine flapsige Bemerkung, die natürlich überhaupt nicht so gemeint war, aber die dann anders ankommt. Eltern haben mich angerufen und mir gesagt, die Kinder sehen aus, als ob sie die stärksten wären, aber innerlich sind sie ganz kleine Sensibelchen. Man tritt demjenigen zu nah, weil er das nicht nach außen zeigt. Da muss man sehr vorsichtig sein, wie man agiert. Auch mit Vorurteilen sollte man vorsichtig sein und die SchülerInnen nicht vorschnell in eine Kiste stecken und aburteilen. Gerade in dem Paradefach Religion kann es sein, dass man in der ersten Ex eine 5 oder 6 schreibt und in der nächsten eine 1 oder 2, was durchaus schon einmal passiert ist. Man sollte also niemanden in eine gewisse Schublade stecken.

 

Herr Eck, vielen Dank für Ihre Zeit und das ausführliche, interessante Gespräch! Alles Gute für Ihre Zukunft!

Das Interview führte MT.Jacob.

 

Speiseplan Mensa Vertretungsplan WebUntis Impressum

Friedrich-Dessauer-GymnasiumTel.(0 60 21) 8 48 26 - 40
Stadtbadstraße 4 Fax (0 60 21) 8 48 26 - 73
63741 AschaffenburgE-Mail sekretariat@fdg-online.de