„Mach so, wie du es denkst“ – Abschiedsinterview mit Herrn Helmut Frank

Herr Frank, Sie hätten bereits zum Halbjahr in Pension gehen können. Wo wären Sie zum Halbjahr gewesen und wo sind Sie am 8. September, wenn die Schule wieder beginnt?

Ich wäre so oder so zu Hause geblieben. Für meine Frau fängt das Schuljahr wieder neu an, alle drei Kinder fangen an verschiedenen Schulen das Schuljahr an, insofern bietet es sich nicht an, dass ich irgendwo auf Kreuzfahrt oder auf eine andere große Tour gehe.

 

Gibt es denn trotz der Tatsache, dass für ihre Familie das Schuljahr beginnt, etwas, auf das Sie sich besonders freuen?

Ich denke, dass ich mehr Zeit haben werde zu lesen, Musik zu hören, zu wandern. Dinge zu machen, die ich früher mal gemacht habe, zum Beispiel wieder Sprachen aufzufrischen, wie Italienisch oder Schwedisch. Das würde ich gerne mal wieder intensiver betreiben.

 

Wollen Sie auch eine neue Sprache lernen?

Das weiß ich im Moment noch nicht, meine Frau lernt ein bisschen Chinesisch, aber damit habe ich mich noch nicht beschäftigt.

 

Was werden Sie am FDG vermissen?

Der tägliche Kontakt mit den SchülerInnen, mit KollegInnen und die Arbeit mit dem Seminar, das mir sehr viel Spaß gemacht hat. Das werde ich als ganzes Paket schon vermissen.

 

Welche/r SchülerInnen wird Ihnen warum auch immer in Erinnerung bleiben?

Sicher. Einzelne SchülerInnen bleiben einem immer in Erinnerung. Das kann zwei verschiedene Gründe haben. Einerseits SchülerInnen, mit denen man sehr gut arbeiten konnte, die sehr offen, freundlich und aufgeschlossen waren. Einige bleiben in Erinnerung, mit denen man weniger gut zurechtgekommen ist oder die, über die man sich ab und zu aufgeregt hat. Also positiv wie negativ.

 

Sie wirken immer ruhig und ausgeglichen. Was kann Sie denn aufregen?

Wenn SchülerInnen ihr Nichtwissen und Ihr Desinteresse offensiv zur Schau tragen und damit noch versuchen, sich zu brüsten, das bringt mich auf die Palme. Das habe ich in den letzten Jahren ab und zu in den 9. und 10. Klassen erlebt.

 

Seit 2001, also insgesamt 19 Jahre, waren Sie auch Seminarlehrer für Englisch am FDG. Was sind bzw. waren Ihre pädagogischen Grundsätze, die Sie den jungen KollegInnen versucht haben, zu vermitteln und weiterzugeben?

Ich habe den jungen ReferendarInnen immer zu vermitteln versucht, dass sie authentisch sein, dass sie nicht irgendetwas nachahmen sollen und dass sie Begeisterung für ihr Fach vermitteln sollen – das ist ganz wichtig, denn wenn ich selber zu meinem Fach, das ich unterrichte, eine gleichgültige Haltung habe, dann kann ich bei den SchülerInnen auch wenig bewirken. Es sollte ein interessanter Unterricht sein, bei dem ich die SchülerInnen als Persönlichkeit sehe und versuche, jedem einzelnen gerecht zu werden. Vom Methodischen her habe ich immer gesagt, keine dogmatischen Entscheidungen, sondern sich aus verschiedensten Ansätzen selektiv das Beste heraussuchen und selbst irgendetwas zusammenbauen, was einem liegt.

 

Sie sind 1982 ins Referendariat in Würzburg, danach waren Sie ein Jahr in Münsterschwarzach an der kirchlichen Schule und seit 1985 sind Sie am FDG. Insgesamt sind Sie also 40 Jahre lang Lehrer. Was hat sich in den Jahrzehnten Ihres pädagogischen Wirkens verändert, zum Positiven und zum Negativen?

Positiv verändert hat sich aus der Sicht meines Faches –  und damit meine ich Englisch, weil mein Zweitfach Latein seit ich Seminarlehrer geworden bin eine untergeordnete Rolle eingenommen hat – die Rolle der Mündlichkeit und des Kommunizierens im Unterricht, der interaktiven Arbeit, die deutlich verstärkt worden ist und dass es für die Fremdsprachen ein eindeutiger Gewinn ist, dass SchülerInnen mit einer besseren, praktischen Ausrichtung der Sprache aus der Schule gehen als früher.

Negativ hat sich verändert, dass bei vielen SchülerInnen durch ihre außerschulischen Aktivitäten, die sie beschäftigen und durch die sie abgelenkt werden, die Konzentration leidet. Außerdem ist der Arbeitseinsatz insgesamt geringer geworden und vielleicht dieses – was ich von meiner eigenen Schulzeit gar nicht gekannt habe – Taktieren, also wie viel muss ich tun, um bestimmte Ergebnisse zu erzielen, was bringt mir das jetzt, mich noch damit zu beschäftigen, wo ich doch eh schon das habe, was ich brauche. Dieses Taktieren und die rein auf Nutzen und nicht so sehr auf den Erkenntnisgewinn ausgerichtete Denkweise, das hat sich negativ entwickelt.

 

Haben Sie dafür eine Erklärung?

Das ist sicher eine gesamtgesellschaftliche Entwicklung. Viele Leute konzentrieren sich nur noch auf das, was ihnen entweder finanziell oder für die Karriere etwas bringt. Da war man früher nicht so stark darauf fixiert. Ich denke auch, dass die Rolle der Allgemeinbildung sehr viel an Wichtigkeit verloren hat und dass heutzutage vieles zu Gunsten von anderen Ablenkungsmöglichkeiten verloren gegangen ist. Das hat sicherlich auch etwas mit den neuen technologischen Möglichkeiten zu tun.

 

Wenn Sie seit 1985 am FDG sind, haben Sie auch einige Schulleiterwechsel miterlebt und können bestimmt vergleichen, wie weine ideale Schule aussehen könnte. Wie sähe ihre ideale Schule aus oder anders gefragt, was müsste am FDG verbessert werden? Oder ist das FDG gar schon eine ideale Schule?

Ein Ideal ist etwas, was man nie erreichen würde. Ich denke, dass schon sehr vieles am FDG gut läuft. Was absolut verbesserungsbedürftig ist, ist die technische Ausstattung, sowohl von der Hart- als auch von der Software. In der jetzigen Präsenzphase sind mir die kleineren Klassen positiv aufgefallen, ein Trend, der der Schule insgesamt guttun würde, aber da nimmt das FDG natürlich keine Ausnahmestellung ein, weil das für alle Schulen so ist. Das ist aber leider etwas, das wir realistisch gesehen, in naher Zukunft nicht erleben werden.

 

Was haben Sie in der Zeit als Lehrer über sich selbst gelernt?

Schwierige Frage. Ich wüsste eigentlich nicht, was ich über mich selbst gelernt hätte, was nicht schon vorher gewusst oder geahnt hätte. Man verändert sich sicherlich, was die Einstellung zu manchen Dingen betrifft.

 

Wenn Sie sagen, dass sich Ihre Einstellung geändert hat, was würden sie dann aus heutiger Sicht Ihrem jüngeren Ich von 1985 raten?

Ich würde sagen: „Mach mal“. Im Nachhinein Ratschläge zu erteilen, ist immer so eine Sache. Wie heißt es so schön, wenn man vom Rathaus kommt, ist man immer schlauer. Ich denke, es ist einfach so, man muss gewisse Dinge ausprobieren, Erfahrungen, ja auch Fehler machen und daraus seine Schlüsse ziehen. Für dieses empirische selber erleben und durchmachen, da ist jeder Ratschlag, den man von außen bekommt, meiner Meinung nach, weniger wert, deshalb würde ich als gereiftes Ich meinem früheren Ich sagen: „Mach so, wie du es denkst und dann kommst du sicher irgendwann mit den richtigen Erkenntnissen irgendwo am Ziel an.“

 

Vielen Dank für das interessante Gespräch und alles Gute für den neuen Lebensabschnitt!

 

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