Erinnerungszeichen

Geschichte von unten – originale Erzählungen von Vertreibung und Leid nach der Grenzverschiebung Polens

Krieg bedeutet nie etwas Schönes, doch auch danach besteht Konfliktpotential. So Vertreibung und Verfolgung. Nach der Grenzverschiebung Polens, im Rahmen des Kommuniqués von Potsdam, mussten dies zahlreiche Bürgerinnen und Bürger der Grenzgebiete, und darüber hinaus,  sehr schmerzlich erfahren.

Im erstellten Blog soll ein Stück Aufarbeitung entstehen, da das Material für jeden frei zur Verfügung steht. Per „oral History“ und à la Geschichte von unten wurden Erlebnisse und Erfahrungen der Flucht zusammengetragen und veröffentlicht.

Leid und Vertreibung – Erzählungen

Miriam: „Meine Oma erzählte mir von meiner Uroma: “ Als die Russen kamen, musste deine Uroma Agnes mit ihrem ältesten Bruder ins Nachbardorf ziehen, weil sie aus ihrer Heimat vertrieben worden sind. Meine andere Uroma musste mit ihrem kleinen Sohn in die Tschechoslowakei ziehen. Dabei passierte etwas Schreckliches, das kleine Kind erfror. Dort angekommen musste sie, um eine erneute Vertreibung zu verhindern, ihren Namen ins Polnische umwandeln.

Im Hintergrund deines Vaters, erzählte sie, gab es deinen Uropa Karl Hendschuh. Weil er bei seiner Arbeit dauerhaft niedergemacht und vergleichsweise miserabel bezahlt wurde, änderte er ebenfalls seinen Namen ins Polnische um. Die Familie floh nach Hamm.

Doch die Rote Armee hatte es kurzzeitig auf die Uroma abgesehen. Sie wollten sie töten, da sie in Verdacht stand, ein Funkgerät zu besitzen. Das hatte sie jedoch nicht und man ließ von ihr ab. Darüber hinaus nahm sie verletzte Deutsche und Polen auf, was der Roten Armee ebenfalls ein Dorn im Auge war.“

Neid und Vertreibung

“ Meine Oma erzählte mir: Deine Urgroßeltern hatten in Polen einen Gutshof. Vermutlich war auch Neid auf den Wohlstand Ursache der Vertreibung. Politisch glaubte der Mann, dein Uropa, an den Sieg Hitlers, was bedeutet hätte, sie hätten den Hof behalten können. Deine Uroma jedoch glaubte nicht daran und entschied, dass die Familie flieht. Mitgenommen haben sie drei belgische Kriegsgefangene, die ihnen zugeteilt wurden, um zu arbeiten, sowie eine ukrainische und eine aus Estland stammende Mitarbeiterin. Um die Tiere zu versorgen, blieb eine Angestellte aus Litauen dort. An materiellen Dingen beschränkten sie sich auf: Hafer und Heu für die drei Pferde, die den Holzwagen zogen, Decken und Anziehsachen für die Kinder, etwas zu essen und Vorräte.

Sie zogen los und erreichten am 16.02. Dresden, wo sie wegen Überfüllung keinen Platz bekamen. Dies war enorm wichtig, denn kurz darauf ereignete sich dort ein Brandattentat, was sie vermutlich nicht überlebt hätten. Es ging nun weiter nach Eger ( Tschechien ) und danach nach Mitterteich. Hier verbrachten sie 5 Jahre im Auffanglager. Mit 14 ist dein Opa fortgegangen, um auf einem Bauernhof zu leben und zu arbeiten. 5 Jahre später bekamen die Urgroßeltern zu 6. eine 55 qm große Wohnung zugeteilt. Der Empfang war aber eher unherzlich und mit Integration wurde es lange Zeit nichts.“

 

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