Eine leibhaftige Schriftstellerin- Renate Sattler zu Besuch bei der 10f

Die 10f lernt derzeit viele Biographien von Autoren der Aufklärung und des Sturm und Drangs kennen. Diese werden per Power Point als Referatsthemen an die Wand geworfen. Untersucht wird, ob Denker wie Immanuel Kant und Karl Philipp Moritz „Universalwissenschaftler“ sind, also verschiedene Forschungsgebiete haben oder eine „Künstlerproblematik“ vorliegt, der Schriftsteller also Schwierigkeiten bei der Bewältigung seines Lebenswegs hat. Neben der Aufarbeitung des Lebenswegs des Schriftstellers sind die Motivation für sein Werk und nicht zuletzt die Interpretation eines Werkauszugs und seine Einordnung in die Literaturgeschichte Teil der komplexen Aufgabe „Referat zu einem Autor halten“. Das verantwortungsvolle Umgehen mit Primär-und Sekundärliteratur hat einen hohen Stellenwert.

In der 90minütigen Begegnung mit der Vorsitzenden des Verbandes Deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller, der im Februar 2019 sein 50jähriges Bestehen in Aschaffenburg feiert, müssen die Schüler der 10f all diese Anforderungen, die sonst an sie beim Umgang mit Autoren gestellt werden, nicht aktiv realisieren. Entspannt hören sie der Lesung von Frau Renate Sattler aus ihrem Buch „Risse im Gesicht“ zu und können sich auf den Text einlassen. Eine affektive Begegnung statt einer kognitiven Konfrontation mit Literatur ist angesagt. Welch beruhigende Wirkung das analoge, gesprochene Wort in unserer mit digitalen Reizen überfluteten Zeit, in der Multitasking kein Fremdwort ist, hat!

Das Buch ist autobiographisch motiviert und Frau Sattler erzählt eine Geschichte, „die noch nicht in den Schulbüchern“ steht, wie sie sagt. Es geht um die Verschleppung von unbescholtenen Ostdeutschen in Lager durch die sowjetische Besatzungsmacht. Sattlers Großvater widerfuhr dieses Schicksal und er kam dabei zu Tode. Die Schriftstellerin berichtet auf einer anderen Handlungsebene von ihrer Kindheit und Jugend in der DDR, in der der Schein der deutsch-sowjetischen Freundschaft gewahrt wurde und sie über die Geschichte des Großvaters nicht sprechen durfte.

Im zweiten Teil der Lesung soll es eine Diskussion geben. Sehr interessant ist jetzt für die Deutschlehrkraft zu beobachten, wie die Schüler scheinbar automatisch die eingangs geschilderten, im Unterricht eingeübten Kategorien der Untersuchung von literarischen Werken und ihrer Schöpfer anwenden. Mit Fragen zum Beispiel zur Entstehungsgeschichte, zum Schreibprozess, zum Titel und zum Lebensunterhalt eines Autors fühlen die Jugendlichen dem Text und der Autorin „auf den Zahn“ und ermöglichen sich so ein vertieftes Verständnis. Diese Kompetenz des Stellens der richtigen Fragen ist in Zeiten der digitalen Textflut des Internets wichtig, um nicht in unsortierter Information zu „ertrinken“.

Insgesamt lässt sich nach dieser Lesung feststellen: Literatur kann genossen werden.

Literarische Texte und ihr Autoren können durch die richtigen Fragen erkannt werden und ihre Wirkkraft entfalten. Dank an den Fachbetreuer Geschichte OStR Dr. Jochen Krenz, der diese außerordentliche Deutschstunde möglich gemacht hat. Dank an die 10f! Text: Julia Grundner

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