Du bestimmst dein Schicksal

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Beim Leben meiner Schwester

Die 10b hat im Deutschunterricht den 470 Seiten langen Roman „Beim Leben meiner Schwester“ von Jodi Picoult als Lektüre gewählt. Er erzählt die Geschichte einer Familie, in der ein totkrankes Mädchen durch die Geburt seiner im Reagenzglas gezeugten Schwester von seiner Krankheit geheilt werden soll. Den besonderen Reiz des Buches, das man in der Schulbibliothek ausleihen kann und das auch verfilmt wurde, macht die zwischen verschiedenen Personen wechselnde Erzählperspektive aus.
Schüler/innen der 10b haben sich kreativ mit dem Roman befasst und unter anderem eine letzte Wortmeldung der Protagonistin Anna verfasst. Hier ein toll gelungenes Beispiel:

ANNA

Ich sehe Kate. Ich sehe Jesse. Ich sehe Mom und Dad. Ich sehe sie alle. Ich höre, wenn sie an mich denken. Und ich weiß: Eines Tages werde ich nichts mehr hören. Aber ich werde nicht traurig sein. Niemand hier ist traurig. Ich glaube, dass wir hier alles erst durch den Tod verstehen. Wir verstehen, warum es geschehen ist, und wir akzeptieren es. Dennoch leben wir weiter. Wir leben in den Erinnerungen derjenigen, die uns liebten, und sie bewahren sie in ihren Herzen wie kostbare Schätze. Und jeder hat einen anderen Schatz. Mom kommt noch jeden Tag zu meinem Grab. Am Anfang ist die Kerze, die sie entzündet hat, sofort wieder von ihren Tränen gelöscht worden. Jetzt bleibt sie an. Dad sieht mich dagegen in den Sternen. Ich sehe ihn, wenn er abends nach Andromeda sucht. Er hört erst auf zu schluchzen, wenn er mich gefunden hat. Ich glaube, er ist der einzige, der weiß, dass ich ihn sehen kann. Und dann Jesse. Alle denken, er hat sich verändert, und sind stolz auf ihn. Ich bin es auch, aber ich wusste schon immer, dass er es kann. Ich war überrascht, dass er es ist, der am meisten an mich denkt. Jede Nacht, bevor er einschläft, denkt er an denselben Satz: Danke für alles, Anna. Kate hast du am Leben erhalten, aber mich hast du wiederbelebt. Es ist merkwürdig, von allem werde ich wohl diesen Satz am meisten vermissen, wenn er eines Tages verstummen wird. Bleibt noch Kate. Ich sehe mich oft selbst in ihr. Die Selbstverachtung, weil man die Schwester nicht retten konnte, aber auch den Wunsch weiterzuleben, obwohl ich tot bin. Ich wünsche mir, dass sie irgendwann nur noch an den Spaß, den wir hatten, und an nichts anderen denken wird, wenn sie meinen Namen sagt. Ich wünsche mir, dass sie glücklich ist. Ich wünsche mir, dass sie weiß, dass Taylor bei mir ist und wir zusammen zu ihr hinunter schauen und dass wir nichts bereuen. Niemals.

Hannah Patalong 10b

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