Chinesische Partnerschule besucht das Friedrich-Dessauer-Gymnasium

Vom 7. bis 17. Juli erhielt das Friedrich-Dessauer-Gymnasium zum sechsten Mal Besuch von seiner chinesischen Partnerschule, mit der seit 2004 ein Austauschprogramm besteht. Während das FDG sechs Schulpartnerschaften pflegt, bedeutet es für die chinesische Seite den einzigen Kontakt dieser Art.

In den Herbstferien waren 28 deutsche Schüler der 10. und 11. Klassen mit zwei Lehrern in Hangzhou zu Gast, nun erkundeten 20 ihrer Partner mit vier Lehrern das Gymnasium und die Gegend um Aschaffenburg. Neben Unterrichtsbesuchen, Sportwettkämpfen (ein großer Dank dafür geht an das Sportseminar und Wolfgang Weiser!) und Kochunterricht mit einigen Müttern standen eine Stadtführung sowie ein Empfang durch Bürgermeisterin Euler auf dem Programm. Ausflüge führten nach Klingenberg, Miltenberg, Rüdesheim, Würzburg, Frankfurt und auf die Wasserkuppe, wo die Lehrer die Landschaft bewunderten und die Sommerrodelbahn unsicher machten. Einige chinesische Schülerinnen nutzten die Gelegenheit, sowohl Architektur als auch Bürgermeisterin und Lehrer zu zeichnen, wofür sie besonderes Talent haben, da sie den künstlerischen Zweig ihrer High School besuchen. Die deutschen Familien waren durchweg begeistert von ihren freundlichen, aufgeschlossenen Gästen, denen sie in der kurzen Zeit zahlreiche Einblicke in die deutsche Kultur ermöglichten. Auch die deutschen Partner stellten erfreut fest, dass sich nicht nur das Englisch der Chinesen seit Herbst deutlich verbessert hat, sondern dass die jungen Leute außerhalb ihres Systems deutlich lockerer drauf waren. Auf der Weiterreise standen in der zweiten Woche noch andere deutsche und europäische Städte auf dem Besichtigungsprogramm der Gruppe. Nächstes Jahr im Oktober sind wir dann wieder an der Reihe und sind gespannt, wer uns begleiten wird!

Sandra Ernst

 

China – Hangzhou

Seit 2004 besteht unser Austausch mit der High School No. 7 in Hanzhou. Diese 6-Millionen-Stadt liegt ungefähr 160km südlich von Schanghai an der Ostküste Chinas. Die Schule entspricht einer deutschen Oberstufe mit den Klassen 10 bis 12, dennoch hat sie 2000 Schüler, die unter der Woche auf dem riesigen Campus leben. Eine Ausbildungsrichtung konzentriert sich auf die Kunst, so dass immer wieder erfolgreiche Maler aus der Schule hervorgehen. Alle Schüler lernen Englisch, allerdings nicht so intensiv wie unsere Jugendlichen. Das ist auch die Sprache, in der sich die deutschen und chinesischen Austauschschüler unterhalten, wenn sie sich im Zwei-Jahres-Rhythmus besuchen. Traditionell reist die Gruppe des FDG über die Herbstferien, während die Gegenseite den Besuch im darauffolgenden Sommer erwidert. Die erste Woche verbringen unsere Zehnt- und Elftklässler in Familien und an der Schule, gefolgt von einem Reiseprogramm, das seinen Höhepunkt am Ende der zweiten Woche in Peking findet. Doch auch Hangzhou ist eine attraktive Stadt, die auf vielen Reiserouten vertreten ist, und schon Marco Polo soll den berühmten West Lake und seine Hügellandschaft als Paradies gelobt haben. Parallel zum Schüleraustausch reist jedes Jahr ein Lehrer der jeweiligen Schule ins andere Land, um dort über die eigene Kultur zu berichten. Dabei ist die Begeisterungsfähigkeit der chinesischen Jugendlichen immer eine umwerfende Erfahrung. Sie sind viel stärker mit ihrer Schule verbunden, die fast ihr ganzes Leben bestimmt, wovon auch die Schuluniform zeugt. Während junge Deutsche viele Freizeitaktivitäten pflegen und sehr selbstständig unterwegs sind, verbringen ihre chinesischen Partner den Tag und oft auch die Nacht mit Lernen, denn ohne eine sehr gute Abschlussprüfung (gao kao) haben sie später kaum Chancen auf ein erfolgreiches Studium. So ist der Austausch zweifellos eine lehrreiche und abwechslungsreiche Erfahrung, die ganz neue Perspektiven eröffnet und eine exotische Welt ein Stück näher bringt.

FDG besucht Partnerschule in China – jetzt mit Fotoshow

10 Jahre Schüleraustausch mit China

Am 23. Oktober machte sich die bisher größte Schülergruppe aus Zehnt- und Elftklässlern auf, um unsere Partnerschule High School No. 7 in Hangzhou zu besuchen. Die erste Woche verbrachten die Schüler in Gastfamilien und nahmen am Unterricht teil. Dabei wurde schnell klar, dass der anders abläuft als bei uns. Alles ist auf das gute Abschneiden im chinesischen Abitur, dem Gao Kao, ausgerichtet, also werden Antworten gepaukt. Schüleraktivierung, Methodenwechsel, Diskussionen – Fehlanzeige. Speziell für uns gab es Einführungen in Tai Chi, Kalligraphie, die Teezeremonie und das Produzieren von Teigtaschen, wir durften uns am chinesischen Fuß-Federballspiel versuchen und beim Sportfest einmal mehr demonstrieren lassen, dass Chinesen nicht gerne verlieren. Das sieht dann immer so aus, dass die Schulmannschaft der Gegenseite, diesmal inklusive des britischen Fußballtrainers, gegen unseren zufällig zusammengewürfelten Austauschhaufen antritt. Dass wir es unter Einsatz zweier Vereinsspieler, wilder Entschlossenheit und Aufopferung der körperlichen Unversehrtheit zu einem 1:1 gebracht haben, werden die Gastgeber sicher so schnell nicht vergessen. Auch in der Staffel gegen auserlesene chinesische Läuferinnen konnten wir lange mithalten, nicht zuletzt dank unserer Leichtathletinnen und der couragierten Dolmetscherin, die unsere Gruppe vervollständigte. Ein ähnliches Bild bot die großartig inszenierte Abschlussfeier, während der sich erlesene Darbietungen chinesischer Internatsschüler (Musizieren, Aerobic, Tanz) mit unseren vergleichsweise dilettantischen Nummern (Lieder, Wiener und langsamer Walzer, Freestyle, Klaviersolo) abwechselten. Vermutlich fragt sich der Chinese, wie ein Land mit einer solchen Unkultur derart hochwertige und begehrte Automarken hervorbringt! Aber wir waren der Meinung, der gute Wille zählt, und hatten wie immer einen Riesenspaß dabei. Das dachte übrigens auch Herr Braun, als er die Begrüßungsrede vor 2000 Schülern zum Teil auf Chinesisch gehalten und die Zuhörer in höchstes Erstaunen versetzt hatte.
Nach diversen Besichtigungen in Hangzhou machten wir uns in der zweiten Woche mit Reisebus und Reiseleiter auf, um mehr vom Land und seiner zahlreichen Kontraste zu erleben. Im Anschluss an die alte Wasserstadt Wuzhen lockte Shanghai mit seinen Wolkenkratzern und der Nanjing Road. Leider hielt das World Financial Center („Flaschenöffner“) in 474 m Höhe nur Nebel für uns bereit, aber die nächtliche Skyline am Bund war eine lohnende Entschädigung. Auch die Altstadt mit dem Yu Garten, das Shanghai Museum und der Heiratsmarkt gehörten zum Programm, bevor es weiterging nach Suzhou, der Stadt der Seide, Gärten und des Kaiserkanals. Mit dem Nachtzug bewältigten wir die 1700 km lange Fahrt nach Peking, die wir nach 13 Stunden erstaunlich erholt erreichten. Hier besuchten wir den Platz des Himmlischen Friedens, die Verbotene Stadt, den Himmelstempel, den Sommerpalast, den Seidenmarkt, die Altstadt und das olympische Vogelnest, dieses leider nur aus einiger Entfernung. Denn aufgrund der am Wochenende beginnenden APEC-Konferenz war vieles abgeriegelt und die Sicherheitskontrollen erhöht. Dafür bekamen wir einen einmalig blauen Himmel zu sehen, denn mit einigen Tricks hat die chinesische Regierung zumindest ein paar Tage für bessere Luft gesorgt. Ein Highlight der Reise war zweifellos die Begehung der chinesischen Mauer von Badaling, wo uns der Wind bei fantastischer Sicht um die Ohren fegte. Schwer bepackt mit Souvenirs und Geschenken traten wir am 6. November die Heimreise über Dubai im dicken A 380 der Emirates an und wurden mit Vollkornbrot am Flughafen Frankfurt begrüßt.
Im Sommer 2015 werden uns die chinesischen Schüler besuchen und im Anschluss ebenfalls einige europäische Städte besichtigen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass wir uns glücklich schätzen können, dass dieser Austausch seit nun zehn Jahren besteht und die Partner sich so viel Mühe mit uns geben. So lange wir bei den Wettkämpfen brav verlieren, wird sich daran auch sicher nichts ändern! Die High School steckt sehr viel Personal und Aufwand in das Programm und hat zum Jubiläum sogar ein Dutzend riesige Schaukästen mit Fotos des FDG auf dem Schulgelände bestückt. Leider haben wir nicht die Ressourcen, es ihnen gleich zu tun, aber wir hoffen, dass wir auch dem 20-jährigen Jubiläum optimistisch entgegensehen können.

Sandra Ernst

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