Aschaffenburg bunt durchleuchtet – Die Familiendynastie Dessauer – Wiesner

„Aschaffenburg bunt durchleuchtet“ unter diesem Titel wurde die Dynastie der Familie Dessauer im Schönborner Hof im Zeitraum vom 5. Dezember 2014 bis zum 23. Januar 2015 dargestellt. Die Überschrift leitet sich von den Hauptmerkmalen der Familie, nämlich dem Leben in Aschaffenburg und Umgebung, „durchleuchtet“ als Symbol der Röntgenpioniere Friedrich Dessauer und Bernhard Wiesner und „bunt“ von der durch Aaron Baruch Dessauer gegründeten und zu weltweiter Bedeutung gebrachten Buntpapierfabrik, ab.
Aaron Baruch Dessauer wurde am 21. Februar 1763 in Gochsheim als Sohn eines jüdischen Gemeindevorstehers geboren. Mit 25 Jahren kam er nach Aschaffenburg, konvertierte zum katholischen Glauben und ließ sich auf den Namen Alois taufen. Anschließend wurde er Bürger und gründete 1811 sein Lebenswerk: Die Buntpapierfabrik. Zusätzlich erwarb er einige weitere Landbesitze. Besonders beeindruckend ist die Tatsache, dass er, bereits Jahrzehnte vor Bismarcks Einführung der Sozialversicherungen, in seiner Firma eine Betriebskrankenkasse eingeführt hatte. Seine Fabrik vererbte er weiter an seine vier Söhne, die diese von nun an betrieben mit Ausnahme von Franz Dessauer, der seine eigene Buntpapierfabrik 1808 in der Goldbacher Straße erbaute.
Im Stammbaum der Familie Dessauer finden sich noch viele andere für Aschaffenburg wichtige Verwandte Alois Dessauers, wie zum Beispiel die älteste Tochter Franz Dessauers, Maria, die sich mit dem Grafen von Deym verheiratete und sich engagiert für die Suppenschule einsetzte. Sie rief auch den Suppenschulball ins Leben.
Sein Sohn Philipp Dessauer übernahm die Buntpapierfabrik und wurde zweiter Ehrenbürger von Aschaffenburg. Er war der Vater des Namensgebers unserer Schule, Friedrich Dessauer. Dessen Schwester Elisabeth Dessauer heiratete den Hausarzt der Familie Bernhard Wiesner, deren gemeinsame Tochter Marilies Schleicher, die ebenfalls Ehrenbürgerin von Aschaffenburg wurde, war sehr gebildet und konnte sich aufgrund ihrer späteren Position als Landtagsabgeordnete effektiv für die von ihr eingerichtete „Lebenshilfe“ in Schmerlenbach für körperlich und geistig Behinderte einsetzen.
Ihr Vater hingegen beschäftigte sich neben seiner Tätigkeit als Arzt auch mit der Forschung im Röntgenbereich, was damals eine sehr revolutionäre Erfindung war. Er arbeitete zusammen mit seinem Schwager Friedrich Dessauer und gründete das erste Röntgeninstitut in Aschaffenburg. Dessauer war ihm dabei eine große Hilfe. Er brach sogar sein Studium ab, um am Röntgenapparat weiter zu forschen. Er gab zusammen mit Wiesner Röntgenkurse für andere, weitaus ältere, Mediziner. Im Laufe seines Lebens beschäftigte er sich mit vielen verschiedenen Themenbereichen unter anderem der Philosophie, auch war er als Politiker aktiv. Er zog später nach Frankfurt, um dort die Pfeifferwerke zu gründen. Dort beschäftigte er 1914 über 450 Mitarbeiter. Im Dritten Reich musste er aus Deutschland fliehen und gründete ein Institut in Istanbul. Doch aufgrund von Fachkräftemangel ging er in die Schweiz, um dort ebenfalls ein Institut zu gründen. 1953 kehrte er nach Deutschland zurück und erhielt einige Auszeichnungen für seine Leistungen, er wurde ebenfalls Ehrenbürger von Aschaffenburg.
Außerdem war er der Großonkel von Dr. Monika Ebert, die die Ausstellung im Schönborner Hof organisiert und selbst zusammengestellt hat. Sie reiste am 14. Januar 2015 eigens aus München an, um unserem Geschichtskurs eine einmalige Führung zu geben. Dafür sind wir ihr sehr dankbar, da wir so die Möglichkeit hatten, den Namensgeber unserer Schule – auch mit einigen persönlichen Anekdoten seines Lebens – besser kennenzulernen.

Franziska Kolb und Niklas Pothorn

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