Internationales Preisträgerprogramm des Pädagogischen Austauschdienstes 2016

Einige der besten Deutschlerner Italiens zu Gast am FDG

Bereits zum zweiten Mal war in diesem Sommer das Friedrich-Dessauer-Gymnasium Gastschule für einen Teil des Internationales Preisträgerprogramms des PAD für Lerner der deutschen Sprache.

In einem harten Auswahlverfahren ermittelt der PAD, Teil der Kultusministerkonferenz der Länder, die besten Schülerinnen und Schüler verschiedenster Länder im Fach Deutsch in Wort und Schrift. Die Sieger erwartet ein dreiwöchiger Aufenthalt in Deutschland. Zwei Wochen verbringen sie in Familien und besuchen eine Gastschule, in der sie ein individuelles Unterrichts- und Ausflugsprogramm in deutscher Sprache und Kultur erwartet. Die dritte Woche verbringen in Berlin, begleitet von einem Reiseleiterteam des PAD und einem Begegnungsschüler ihrer Gastschule. Alle Ausgaben, auch die der Gastfamilien, werden vom PAD gedeckt, auch insofern unterscheidet sich dieses Programm von einem „klassischen“ Schüleraustausch.

Für die Italienischlerner am FDG ist dieses Programm eine einmalige Gelegenheit, einerseits persönlichen Kontakt zu ganz besonderen Schülerinnen und Schülern zu knüpfen, andererseits ihr Italienisch durch gemeinsame Unternehmungen mit der Gruppe von Muttersprachlern zu verbessern.

Die Gruppe von 12 Schülerinnen und Schülern aus Apulien, Emilia-Romagna, Sizilien, der Toskana, den Abruzzen, Rom und Südtirol kam am 23.06. in Aschaffenburg an, von ihren deutschen Partnern sehnsüchtig erwartet. Nach dem ersten Wochenende in den Gastfamilien folgten zwei ereignisreiche Schulwochen, u.a. mit Führungen in Altstadt und Pompejanum, Exkursionen nach Frankfurt, Miltenberg und Würzburg sowie einer gelungenen Abschlussfeier im Garten einer Gastfamilie.

Der Abschied am 10.07. fiel allen schwer, zu sehr waren sich die Schülerinnen und Schüler in den zwei Wochen persönlich näher gekommen. Sicherlich werden die Kontakte, so wie im letzten Jahr, auch länger halten und echte europäische Freundschaften entstehen, was letztlich der übergeordnete Sinn dieses Programms sein sollte.

Richard Schwaderer

Fachschaft Italienisch

Das Fach Italienisch am FDG

Geschichte des Fachs
Erst seit 1986 ist es möglich, Italienisch am neusprachlichen Gymnasium als 3. Fremdsprache zu wählen. Die Folge war ein regelrechter „Italienisch-Boom“ in den darauffolgenden Jahren. Trotz der Konkurrenz durch Spanisch, die das Fach seit den 90er Jahren erhält, konnte sich Italienisch jedoch als feste Größe im Stundenplan an etwa 25 bayerischen Gymnasien etablieren.

Italienisch am FDG
Das Friedrich-Dessauer-Gymnasium ist eines dieser Gymnasien. Im Schuljahr 1997/98 wurde auf vielfachen Wunsch der Schüler und Eltern die Wahl von Italienisch im neusprachlichen Zweig unserer Schule ermöglicht. Mit mehr als 30 Schülerinnen und Schülern startete der Italienischunterricht in der 9. Klasse.

Italienischunterricht in G8
Doch auch in G8 hat sich an der Beliebtheit des Faches nichts geändert. Nun werden die Schüler ab der 8. Jahrgangsstufe in Italienisch unterrichtet. In den letzten Jahren konnten in der Regel pro Jahrgang zwei Klassen mit Italienisch als 3. Fremdsprache gebildet werden. Durch die stärkere Orientierung des Lehrplans in G8 an praktischen Kompetenzen hat auch der Unterricht einige positive Wandlungen erfahren, die sich im verstärkten Bemühen um den Erwerb von anwendungsbezogenen kommunikativen Fähigkeiten auf der mündlichen Ebene äußern. Diesem Anspruch wird beispielsweise Rechnung getragen durch den Ersatz einer schriftlichen durch eine mündliche Schulaufgabe, durch Übungen, die in der Realität häufig vorkommende Kommunikationsanlässe stärker als bisher berücksichtigen (beispielsweise Dolmetschübungen), durch kreative und spielerische Formen der Konversation sowie schülerzentrierte Lehrmethoden.
Ein wesentlicher Aspekt ist hierbei auch der Erwerb sogenannter interkultureller Kompetenzen, d.h. durch die Vermittlung landeskundlichen Wissens sowie mentalitätsbedingter Denkstrukturen und Verhaltensweisen werden Voraussetzungen geschaffen, die dem Schüler eine erfolgreiche Interaktion mit Menschen aus diesem Kulturkreis ermöglichen.
In der neuen Oberstufe (11 und 12) kann Italienisch weiter als Kurs belegt sowie als schriftliche oder mündliche Abiturprüfung gewählt werden. Auch bietet unser Gymnasium W- und P-Seminare in diesem Fach an.
Vier Lehrerinnen und Lehrer des FDG haben die Fakultas im Fach Italienisch. Seit 2008 bildet das FDG in seinem Seminar auch Referendare in diesem Fach aus.

Der Schüleraustausch
Für besondere Motivation unter den Schülern sorgt der Schüleraustausch, der in diesem Schuljahr erstmals mit unserer neuen Partnerschule, dem Liceo Francesco Petrarca in Triest, stattfindet und in dessen Vorfeld die Schüler schon gemeinsam mit ihren zukünftigen Austauschpartnern ein vielfältiges Programm vorbereitet haben.
Nach den durchweg positiven Erfahrungen, die wir mit unserer bisherigen Partnerschule in Vignola/Emilia Romagna gemacht haben, sehen Schüler wie Lehrer diesem Ereignis mit Vorfreude entgegen.

Große italienische Künstler hautnah – eine Exkursion der Italienischlernenden der Klassen 10a und 8b ins Städel

Goethes „Pressefoto“, produziert von Andy Warhol, begrüßte uns farbenfroh und gewaltig in der Lounge des Frankfurter Städel Museums, die uns mit ihrer riesenhaften Mosaikwand aus Spiegeln diesen Kunstraum eröffnete. Wir, die Klasse 10a, kamen zusammen mit den „Italienern“ der Klasse 8b am Freitag, den 22.04.16 allerdings aus einem ganz anderen Grund: Große Künstler der italienischen Renaissancemalerei (eigentlich: „rinascimento“) zogen uns nach ca. 30 minütiger Zugfahrt in die fabelhafte Ausstellung „Maniera“ (ital. für „Art und Weise“ oder auch „Stil“). Dort erhielten wir eine fachkundige und moderne Führung durch die Ausstellung, die sich den Meistern Pontormo, Bronzino, Andrea del Sarto, Rosso Fiorentino und Vasari im Florenz der Medici widmete und wir durften selbst originale Entwürfe des noch berühmteren Michelangelo bestaunen. Die insgesamt 120 Werke, darunter Vorzeichnungen und Skulpturen, beeindruckten mit Präzision und außerordentlichem Talent und gaben tiefe Einblicke in die Vorbereitungen eines Künstlers für sein Bild.

Wir lernten viel über Wirkungsweisen von Bildern im Allgemeinen und dann eben auch, wie rebellisch die Werke dieser Ausstellung verstanden werden müssen. Wie erzeugt man Ferne oder Nähe oder was für eine tragende Rolle spielt die Symbolik in Gemälden? Auch die Interpretationen und zeitgeschichtlichen Hintergründe öffneten uns Türen, die Gedanken der Künstler hinter ihren Werken zu verstehen. So imponierte Rosso Fiorentinos Gemälde „Madonna mit ihrem Kind und dem Johannesknaben“  mit seiner grotesken, gar aufreizenden Muttergottes, welche in ihrer Darstellung eher an die griechische Göttin Venus erinnert denn an die selige Maria. An Experimentierfreude und Wagemut fehlte es den Künstlern dieser Zeit wahrlich nicht.

Zentrales Stück der Ausstellung war Jacopo Pontormos Bild „Venus und Amor“ nach einem Entwurf von Michelangelo: Eine laszive, aber maskulin wirkende Venus wird von einem listigen Amor bezirzt. Ist es hier Amor, der einen Pfeil auf seine Mutter Venus selber abschießen will, oder strebt Venus danach, selber einen Pfeil abschießen zu können? Und neben dieser Frage die unterschwellige Symbolik und eigentliche Hauptaussage des Bildes: die Bildhauerei liegt in Form einer gestürzten Figur am Boden und verliert damit den paragone, also den Wettstreit um die einzig wahre bildende Kunst.

Jenes Bild war herausragend fesselnd und gefiel mir am besten. Es präsentiert den ursprünglichen Gedanken hinter jeder Art von Kunst, nämlich, dass sie um der Kunstwillen gemacht wird. Ausflüge dieser Art sollte man öfter ins Schulprogramm aufnehmen.

Veronika Fuchs

 

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