Erinnerungszeichen

Geschichte von unten – originale Erzählungen von Vertreibung und Leid nach der Grenzverschiebung Polens

Krieg bedeutet nie etwas Schönes, doch auch danach besteht Konfliktpotential. So Vertreibung und Verfolgung. Nach der Grenzverschiebung Polens, im Rahmen des Kommuniqués von Potsdam, mussten dies zahlreiche Bürgerinnen und Bürger der Grenzgebiete, und darüber hinaus,  sehr schmerzlich erfahren.

Im erstellten Blog soll ein Stück Aufarbeitung entstehen, da das Material für jeden frei zur Verfügung steht. Per „oral History“ und à la Geschichte von unten wurden Erlebnisse und Erfahrungen der Flucht zusammengetragen und veröffentlicht.

Leid und Vertreibung – Erzählungen

Miriam: „Meine Oma erzählte mir von meiner Uroma: “ Als die Russen kamen, musste deine Uroma Agnes mit ihrem ältesten Bruder ins Nachbardorf ziehen, weil sie aus ihrer Heimat vertrieben worden sind. Meine andere Uroma musste mit ihrem kleinen Sohn in die Tschechoslowakei ziehen. Dabei passierte etwas Schreckliches, das kleine Kind erfror. Dort angekommen musste sie, um eine erneute Vertreibung zu verhindern, ihren Namen ins Polnische umwandeln.

Im Hintergrund deines Vaters, erzählte sie, gab es deinen Uropa Karl Hendschuh. Weil er bei seiner Arbeit dauerhaft niedergemacht und vergleichsweise miserabel bezahlt wurde, änderte er ebenfalls seinen Namen ins Polnische um. Die Familie floh nach Hamm.

Doch die Rote Armee hatte es kurzzeitig auf die Uroma abgesehen. Sie wollten sie töten, da sie in Verdacht stand, ein Funkgerät zu besitzen. Das hatte sie jedoch nicht und man ließ von ihr ab. Darüber hinaus nahm sie verletzte Deutsche und Polen auf, was der Roten Armee ebenfalls ein Dorn im Auge war.“

Neid und Vertreibung

“ Meine Oma erzählte mir: Deine Urgroßeltern hatten in Polen einen Gutshof. Vermutlich war auch Neid auf den Wohlstand Ursache der Vertreibung. Politisch glaubte der Mann, dein Uropa, an den Sieg Hitlers, was bedeutet hätte, sie hätten den Hof behalten können. Deine Uroma jedoch glaubte nicht daran und entschied, dass die Familie flieht. Mitgenommen haben sie drei belgische Kriegsgefangene, die ihnen zugeteilt wurden, um zu arbeiten, sowie eine ukrainische und eine aus Estland stammende Mitarbeiterin. Um die Tiere zu versorgen, blieb eine Angestellte aus Litauen dort. An materiellen Dingen beschränkten sie sich auf: Hafer und Heu für die drei Pferde, die den Holzwagen zogen, Decken und Anziehsachen für die Kinder, etwas zu essen und Vorräte.

Sie zogen los und erreichten am 16.02. Dresden, wo sie wegen Überfüllung keinen Platz bekamen. Dies war enorm wichtig, denn kurz darauf ereignete sich dort ein Brandattentat, was sie vermutlich nicht überlebt hätten. Es ging nun weiter nach Eger ( Tschechien ) und danach nach Mitterteich. Hier verbrachten sie 5 Jahre im Auffanglager. Mit 14 ist dein Opa fortgegangen, um auf einem Bauernhof zu leben und zu arbeiten. 5 Jahre später bekamen die Urgroßeltern zu 6. eine 55 qm große Wohnung zugeteilt. Der Empfang war aber eher unherzlich und mit Integration wurde es lange Zeit nichts.“

 

„Erinnerungsorte an die NS-Zwangsarbeit in Mitteleuropa“ in der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg

Vom 16. bis zum 18.03.2016 besuchten acht Schüler aus der Q11 im Rahmen einer deutsch-tschechischen Jugendbegegnung die Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslager Flossenbürg.

Nach der zum Glück reibungslosen Anfahrt mit ICE, Regional-Express und Bus fanden wir uns im Bildungszentrum der Gedenkstätte wieder. Dort sollte sich jede Teilnehmergruppe kurz vorstellen, worauf wir natürlich vorbereitet waren. Trotz technischer Probleme mit dem Beamer präsentierten wir unsere Schule und die Stadt. Danach gab es auch schon den ersten Workshop „Mein Bild vom Nationalsozialismus“, der in Deutsch, Englisch oder Tschechisch bearbeitet wurde. In Teams eingeteilt diskutierten wir über 22 Bilder aus verschiedenen Bereichen der NS-Zeit (Propaganda, Verfolgung, Novemberpogrom…) und entschieden uns für fünf Bilder, die den Nationalsozialismus am besten wiederspiegeln. Nach dem Abendessen fuhren wir via Bus nach Tachov in Tschechien, wo sich unser Hotel zur Übernachtung befand. Der Rest des Abends stand zur freien Verfügung.

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Nach dem Frühstück fuhren wir wieder nach Flossenbürg, um in diesmal nach Muttersprache getrennten Gruppen, zwei Seminare zu besuchen. Dort wurde uns ein kurzer NS-Propagandafilm zum Thema „Arbeiten in Deutschland“ gezeigt, der Ausländer anwerben sollte, um nach Deutschland zum Arbeiten zu kommen. Doch die Interviews mit Zeitzeugen, die wir danach sahen, zeichneten ein ganz anderes Bild von der „schönen Arbeit“ in Deutschland – nämlich Zwangsarbeit. Nach dem Mittagessen galt es dann einige Fragen zur neuen Wanderausstellung „Verlorenes Gedächtnis“ zu beantworten. In der Ausstellung, die noch bis 10. April geöffnet ist, werden 18 Außenlager des Stammlagers Flossenbürg in Deutsch und Tschechisch gezeigt. Sie erinnert an die NS-Zeit und schildert individuelle Geschichten einiger Überlebender. Danach konnte man noch an einer geführten Exkursion zur Burgruine Flossenbürg und dem Steinbruch, in dem früher die Zwangsarbeit betrieben wurde, teilnehmen. Pünktlich um 16:00 gab es die offizielle Eröffnung der eben erwähnten Ausstellung und zum Abschluss des Tages das einzigartige Abendessen im Restaurant Ve skala in Chodová Planá, das sich in einer Höhle befindet.

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Freitags gab es die Möglichkeit, sich die Dauerausstellung der Gedenkstätte selbst anzuschauen, wobei mir persönlich die 90 Minuten keineswegs reichten, die gesamte Ausstellung zu besuchen. Nach einer Abschlussreflexion und anschließender Verabschiedung machten wir uns auch wieder auf den Weg und erreichten dank funktionierender Planung nach fünfeinhalb Stunden Aschaffenburg Hbf – was sogar noch dafür reichte, sich das Theaterstück der Schule anzusehen.

Teilnehmer: Nino, Dennis, Felix, Tobias, Manuel, Anna, Helen, Julian

Autor: Julian Staab Q11

Bilder: Anna Schuhwerk Q11

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Projekttage – Geschichte trifft Geographie

An zwei Tagen im Jahr findet am FDG kein regulärer Unterricht statt, sondern in den sogenannten Projekttagen können die Schüler Wissen auf eine ganz andere Art erwerben: sei es auf Exkursionen, sei es bei Experimenten in der Schule,… Die 6. Klassen waren aufgeteilt: ein Tag Walderkundung, ein Tag Stadterkundung. In Zusammenarbeit der beiden Fächer Geographie und Geschichte wurde eine Stadtrallye durchgeführt, wobei die Schüler selbstständig mit Kompass und Karte eine festgelegte Route finden und ablaufen mussten und zahlreiche Aufgaben zu erledigen hatten. Dabei wurden fast alle historischen Sehenswürdigkeiten der Stadt abgelaufen, die wirtschaftliche und geographische Situation der Stadt erforscht und – natürlich – auch ein Eis geschleckt. Nach etlichen Stunden dann lösten die Lehrer die Ergebnisse auf. Auf die Fähigkeiten unserer Schüler können wir wirklich stolz sein!

FDG gewinnt mit Filmbeitrag bei Weiße Rose Stiftung e. V.

Dritter Preis für die 9d mit dem Beitrag „Die Weiße Rose – Ein Kinotrailer“

Anlässlich des 25-jährigen Jubiläums veranstaltete die Weiße Rose Stiftung e.V. in Kooperation mit der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit den Schülerwettbewerb „Kreativer Umgang mit der Weißen Rose“, an dem auch die (ehemalige) Klasse 9d des FDG mit ihrer Geschichtslehrerin Frau Regina Stäb teilnahm. Obwohl sie zu den jüngsten Teilnehmern unter den konkurrierenden Klassen aus ganz Bayern gehörten, errangen die Neuntklässler des FDG den dritten Platz und ernteten viel Bewunderung und Lob, u.a. von der Süddeutschen Zeitung, der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und Focus online.

Der Beitrag der 9d ist ein Kinotrailer, der in mehreren kurzen Szenen die Geschichte der Widerstandsgruppe Weiße Rose skizziert. Ein Trailer kann zwar das Thema in der vorgegebenen Kürze nicht ausreichend tiefgründig behandeln, er weckt aber die Neugier beim Zuschauer. Der Beitrag regt nicht nur zur Auseinandersetzung mit den Persönlichkeiten der Weißen Rose an – ihren Biographien, Ideen, Ambitionen und Überzeugungen, sondern auch mit der Verantwortung gegenüber den Opfern des Nationalsozialismus.

Das Drehbuch zum Trailer arbeiteten die Neuntklässler selbstständig aus, nachdem sie gründlich die nötigen Informationen aus Schulbüchern, dem Internet und aus Dokumentations- sowie historischen Spielfilmen gesammelt hatten. Anschließend wendeten die Schüler das Wissen an und zeigten dabei ein hohes Maß an Kreativität beim Drehbuchschreiben, da sie mit relativ einfachen Mitteln versuchten die Geschichte zu präsentieren. Auch die Requisiten und die Drehorte auf dem Schulgelände wählten sie sorgfältig aus, um anschließend  in die verschiedenen Rollen zu schlüpfen.

Dankenswerterweise wurde den Schülern die technische Ausrüstung für den Dreh von der Schule sowie dem JUKUZ Aschaffenburg zur Verfügung gestellt. Die aufwändige Nachbearbeitung der Szenen, musikalische Untermalung und Schnitt der Szenen übernahm schließlich ein Oberstufenschüler und verlieh dem Trailer damit den professionellen Schliff.

 

Besuch der Schriftstellerin Regine Möbius am FDG

Mit dem tropfenden Wasserhahn zum Gedankenfluss
Besuch der Schriftstellerin Regine Möbius am FDG

Vielleicht sollte man bei Deutschschulaufgaben künftig den Wasserhahn im Klassenzimmer öffnen, zumindest wenn es nach einer bekannten heutigen Autorin geht. Ihren persönlichen Schreibtrick verriet die Schriftstellerin Regine Möbius den Klassen 9f und 10e, als sie am 15. Februar 2019 im Rahmen des in Aschaffenburg stattfindenden Jubiläumskongresses „50 Jahre Verband deutscher Schriftsteller“ das Friedrich-Dessauer-Gymnasium besuchte. Sie selbst dreht im Falle einer Schreibblockade den Griff des Wasserhahns leicht auf und lässt sich vom Tröpfeln des Wassers inspirieren – aus Wassertröpfchen wird ein Gedankenfluss und das weiße Papier füllt sich mit Zeichen.

Der Verband deutscher Schriftsteller hat nicht zum ersten Mal Aschaffenburg für eine Tagung ausgesucht, aber welch besondere Freude es für die Teilnehmenden bedeutete, ausgerechnet zur 50. Jubiläumstagung nach Aschaffenburg zu kommen, verhehlte Regine Möbius den beiden Klassen am FDG nicht. Aschaffenburg sei eine sehr gastfreundliche Stadt und das Engagement für Kunst und Kultur sei am Untermain ein ganz besonderes, so Möbius. Das Kulturamt Aschaffenburg hat es den Aschaffenburger Schulen ermöglicht, eine Autorin oder einen Autor für Klassen an die Schulen zu holen. Am Dessauer-Gymnasium nutzten die Klassen 9f und 10e diese einzigartige Möglichkeit, eine Schriftstellerin leibhaftig kennenzulernen.

Nach der Begrüßung durch den Schulleiter Michael Lummel erlaubte Regine Möbius, die 2018 ihren 75. Geburtstag feiern konnte, einen Einblick in ihre faszinierende Lebensgeschichte, die sowohl Aufschlüsse über ihr Leben als Dichterin als auch einen Blick auf die Geschichte der untergegangenen zweiten deutschen Diktatur, der DDR, ermöglichte. Schon als Jugendliche mit 16 Jahren habe sie begonnen, kleine Geschichten und Gedichte zu schreiben, erzählte Möbius den ungefähr gleichaltrigen Jugendlichen. Sehr überrascht habe es sie dann, als sie nach der Wende 1989 in ihrer STASI-Akte dann plötzlich solche frühen Werke aus ihrem zweiten Lebensjahrzehnt wiederfand, die sie selbst gar nicht veröffentlicht hatte. Schon anhand dieser Episode wurde deutlich, wie sehr der ostdeutsche Geheimdienst, die sogenannte „Staatssicherheit“ des Ministers Mielke, die eigenen Bürger bespitzelt und ihr deren Leben eingegriffen hatte.

Für die Klassen bot sie einen kurzen Überblick über die Geschichte des bis 1989 existierenden „Arbeiter- und Bauernstaates“. Die „Deutsche Demokratische Republik“ (DDR) wurde im Oktober 1949 als sozialistisches Land von der sowjetischen Besatzungsmacht gegründet, nachdem im Westen am 25. Mai 1949 die Bundesrepublik Deutschland entstanden war. Dass die DDR eine Diktatur war, betonte Möbius explizit: „Für die Regierenden ist es immer viel bequemer, in einer Diktatur zu regieren, denn da lässt sich Widerstand leichter unterdrücken.“ Mit Blick auf manche Ostalgiker, die der untergegangenen DDR nachtrauern, sprach sie klar aus: „Manche hören es ungern: Die DDR war eine Diktatur!“

Sie erklärte den Klassen, dass Kultur in der damaligen DDR nicht als Möglichkeit, das eigene kreative Potenzial zu entfalten, angesehen wurde, sondern als Mittel, die Menschen für den Staat im Sinne des Sozialismus zu erziehen. Wer bei diesem System nicht mitzumachen gewillt war, flog heraus und hatte ein Publikationsverbot, durfte seine Schriften nicht veröffentlichen.

Ihre eigene Lebensgeschichte bewegte sie zur Abfassung einer Sammlung von Zeitzeugenberichten über den Volksaufstand vom 17. Juni 1953. Dieser Tag, der 17. Juni, wurde in der alten Bundesrepublik als Nationalfeiertag, als „Tag der Deutschen Einheit“ begangen, um die Bundesbürger daran zu erinnern, dass im anderen Teil Deutschlands die Menschen in Unfreiheit lebten. Als Kind hatte die 1943 in Chemnitz geborene Regine Möbius diesen Aufstand miterlebt, sie bekam mit, wie der Vater ein Geräusch als den Lärm heranrollender Panzer identifizierte, wie ihre Mutter ihr eine Ostmark zusteckte, damit sie schnell noch Brot kaufen könne, weil die Mutter befürchtete, es gebe vielleicht wieder Krieg. Sie berichtete vom brennenden Pavillon der Nationalen Front, einer kommunistischen Massenorganisation, in der Stadtmitte und von der blutigen Niederschlagung des Volksprotests durch russische Panzer.

Nach diesem Tag durfte in der DDR nicht über das Geschehen des 17. Juni geredet werden. Im schulischen Geschichtsunterricht existierte dieser Tag nicht und auch in den Familien wurde nicht darüber gesprochen, so groß war die Angst vor der Regierung und ihren Spionen. Da die Zeitzeugen, die diesen Tag erlebt hatten, nun selbst älter werden, entschied sich Regine Möbius für die Abfassung ihres Buches „Panzer gegen die Freiheit“, in dem sie die Stimmen dieser Augenzeugen für die Zukunft sichern und bewahren wollte.

Unter anderem las sie aus dem Kapitel vor, das vom Leben des bekannten Plakatkünstlers Klaus Staeck erzählte. Der damals 17-jährige erlebte den Volksaufstand in Bitterfeld, wo ihm das Studium verwehrt wurde, weil er sich im „Arbeiter-Paradies“ DDR christlich konfirmieren ließ, anstatt sich der sozialistischen Jugendweihe zu unterziehen. Später verließ Staeck die DDR und floh in die Bundesrepublik, wo er nach einem Jurastudium als Grafikkünstler bekannt wurde und neben vielen politischen Plakaten auch die Plakate des Schriftstellerverbandes VS gestaltete.

Nach der Lesung zweier solcher Kapitel aus diesem Band kamen die Schülerinnen und Schüler mit Regine Möbius ins Gespräch. Auf die Frage, wie man als Schriftstellerin ein solches Werk angehe und konzipiere, erklärte sie den Klassen, dass sie zunächst Opferverbände und Institutionen angeschrieben und um Adressen von Zeitzeugen gebeten hätte. Danach habe sie eine ganze Menge von Briefen an die Personen genannt, die ihr genannt worden seien. In einem dritten Schritt habe sie diejenigen getroffen, die bei ihrem Werk mitmachen wollten und in langen Gesprächen deren Erfahrungen protokolliert. Aus diesen Mitschriften sei dann dieses Buch entstanden, an dem sie über ein Jahr geschrieben habe.

Die Schülerinnen und Schüler waren erstaunt, wie viel Arbeit hinter einem solchen Buch steckt. Daneben interessierten sie sich vor allem auch für den Alltag in einer Diktatur und die menschenverachtende Arbeit der STASI. Regine Möbius erzählte offen von ihrer eigenen Erfahrung und ihrer Einsichtnahme in die eigene STASI-Akte, die sie nach 1989 beantragen konnte. Sie betonte, wie schrecklich es sei, dass sich Kollegen oder Freunde plötzlich als Zuträger des Geheimdienstes, als sogenannte IM (Inoffizieller Mitarbeiter), herausstellten. Ganz besonders perfide, also heimtückisch, seien die vielen Akten beiliegenden Karteikarten mit ‚Geheimnissen‘ der überwachten Person gewesen, mit denen die STASI die Menschen im Falle von Unruhen erpressen und so ein Ende der oppositionellen Ideen erzwingen wollte. „Kübel von Dreck werden über einen ausgegossen in einer solchen Akte“, fasste Möbius diesen Aspekt der STASI-Arbeit zusammen. Ziel des Geheimdienstes war es, die Menschen systematisch fertigzumachen und in das kommunistische System – auch gedanklich – einzusperren. Die Schülerinnen und Schüler nahmen diese Schicksalsschilderung mit großer Bewegung zur Kenntnis. Der theoretische Lehrplaninhalt „die DDR als zweite deutsche Diktatur“ wurde hier zum persönlichen Lebenszeugnis, zum authentischen Einblick in das Wesen einer menschenverachtenden Diktatur, die die DDR war.

Besonders wichtig sei ihr daher, diesen Teil der deutschen Geschichte, also speziell die ostdeutsche Geschichte, auch in Westdeutschland wachzuhalten oder – wie bei unseren Jugendlichen der 9f und 10e – bekannt zu machen. Wichtig sei nämlich, dass auch die Erfahrungen, die im Osten Deutschlands gemacht wurden, als relevant und bedeutsam für den Westen und die gesamtdeutsche Geschichte anerkannt würden, denn nur so könne Deutschland wirklich zusammenwachsen. Die Fachschaft Geschichte ist daher umso dankbarer, dass Regine Möbius es unternommen hat, die zwei Klassen am FDG zu besuchen und einen solch persönlichen und bedeutsamen Einblick in unsere Geschichte gegeben zu haben. Der Stadt Aschaffenburg und dem Kulturamt unter der Leitung von Burkard Fleckenstein seien für ihr Engagement gedankt, das es unseren Schülerinnen und Schülern erlaubt hat, eine ‚echte Schriftstellerin‘ (und ein Stück Zeitgeschichte) ganz persönlich zu erleben.

Am Ende riet Regine Möbius, die in ihrem heutigen Zuhause in Leipzig auch eine Schreibwerkstatt für Kreative und Schreiblustige betreibt, den Jugendlichen, sich für erste eigene Schreibversuche nicht zu viel vorzunehmen. Nicht mehr als zwei oder drei Seiten solle man sich zum Ziel setzen, das sei für eine erste eigene Geschichte eine gute Länge. Wichtig sei auch, sich vor dem Schreiben schon das Ende der Geschichte zu überlegen, damit man wisse, auf welches Ziel man „hin-schreiben“ wolle. Eine gute Übung sei auch, sich hinzusetzen und einfach darauf loszuschreiben, einfach zu notieren, was einem gerade durch den Kopf gehe. So entstünden erste zusammenhängende Texte. Und im Falle einer Blockade helfe ihr stets der Blick auf den tropfenden Wasserhahn, das bewusste Achten auf das Fallen der Tropfen, und dann falle auch der Groschen im Kopf und sie komme beim Schreiben wieder in Fluss… Zeit also, auch am FDG bei der nächsten Deutschschulaufgabe am Wasserhahn zu drehen, um alle Schleusen zu öffnen, damit die Kreativität ungehindert aus unseren Schülerinnen und Schüler herausströmen kann…

Dr. Jochen Krenz
Fachschaft Geschichte

Mit Familie Dessauer auf Tuchfühlung – Besuch der Ausstellung „Aschaffenburg bunt durchleuchtet

Friedrich Dessauer – jeder an unserer Schule kennt diesen Namen. Aber kaum jemand weiß, wer dieser Friedrich Dessauer eigentlich war. Dieser Frage im Zusammenhang mit dem Thema „Leben im beginnenden Zeitalter der Industrialisierung“ ging der Grundkurs 11/4 im Rahmen der Ausstellung „Aschaffenburg bunt durchleuchtet“ auf den Grund. Diese zeigt die fast 200 Jahre lange Prägung Aschaffenburgs durch die bürgerliche Unternehmerfamilie Dessauer-Wiesner. Der erste dieser Familie in Aschaffenburg war Urahn Aron Baruch Dessauer, später umbenannt in Alois Dessauer.  1798 kam er, noch jüdischen Glaubens, in unsere Stadt und wurde katholisch. Er gründete 1811 eine Buntpapierfabrik und stellte seinen Arbeitern bereits damals eine Krankenversicherung und Wohnungen bereit. Neben dem Unternehmer Alois Dessauer gab es in den nachfolgenden Generationen auch Juristen, Offiziere, Röntgenologen und Wissenschaftler, wie beispielsweise der Namensgeber unserer Schule, Prof. Dr. Friedrich Dessauer. Dieser war ein hervorragender Schüler, der sich schon früh für Röntgenstrahlen interessierte und in seinem eigenen Labor experimentierte. Infolge einer Krankheit seines Bruders entwickelte er einen selbstgebauten Röntgenapparat, mit dem eine erfolgreiche Diagnose möglich war und dem jungen Dessauer große Aufmerksamkeit brachte. 1901 gründete er das „Elektronische Laboratorium“, in dem er 450 Menschen beschäftigte, und später sogar sein erstes eigenes Institut in Frankfurt am Main, aus dem später das Max-Planck-Institut hervorging. Auch politisch wurde Friedrich Dessauer aktiv: Als Reichstagsabgeordneter des Zentrums verfolgte er das Ziel, die Klassen als Verwirklichung der christlichen Lehre zu versöhnen. 1933 wurde er von den Nationalsozialisten aufgrund seiner jüdischen Abstammung festgenommen, kam jedoch wieder frei und ging ins Exil nach Istanbul, wo er ebenso ein wissenschaftliches Institut errichten ließ. Sein Weg führte ihn schließlich in die Schweiz, wo er in Fribourg Experimentalphysik unterrichtete. Dennoch kehrte er 1953 nach Frankfurt zurück, wo Friedrich Dessauer, ebenso wie in Aschaffenburg, zum Ehrenbürger ernannt wurde.
Unser Kurs wurde von der „Ausstellungsmacherin“ und Nachfahrin Dessauers, Dr. Monika Ebert, geführt, die die Geschichte ihrer Familie sehr interessant darstellte. (Auf dem Foto rechts zu sehen.) In der Ausstellung sind Objekte der Familie Dessauer zu sehen, wie zum Beispiel der selbstentwickelte Röntgenapparat Friedrich Dessauers, zahlreiche Fotos aus den verschiedenen Jahrhunderten und schriftliche Aufzeichnungen.
Die Ausstellung „Aschaffenburg bunt durchleuchtet“ ist interessant gestaltet und weist eindrucksvolle Taten der Mitglieder der Familie Dessauer-Wiesner auf, welche unsere Stadt Aschaffenburg auch heute noch prägen. Ein Besuch der Ausstellung ist daher sehr empfehlenswert für alle, die etwas mehr über Aschaffenburg und die Dessauers wissen möchte.
Kelli-Nelli Fuchs, Q11.4

100 Jahre Ausbruch des Ersten Weltkriegs – Weltgeschichte lokal

Arbeitshilfen und Kopiervorlagen machen das Geschehen um den Kriegsausbruch konkret!
Anlässlich des 100. Jahrestags der „Julikrise“, die sinnbildlich für das Versagen der gesamten europäischen Diplomatie im Vorfeld des Ersten Weltkriegs steht, haben zwei Geschichtslehrkräfte des Aschaffenburger Friedrich-Dessauer-Gymnasiums und des Karl-Theodor-von-Dalberg-Gymnasiums eine Materialsammlung für den Unterricht aus Beständen des Aschaffenburger Zeitungsarchivs angelegt. Damit soll den Schülerinnen und Schülern der Nachvollzug dieser historischen Ereignisse anhand lokaler Quellen ermöglicht werden. Die Veröffentlichung dieser Arbeitsunterlagen erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Stadt- und Stiftsarchivs Aschaffenburg (Zeitungsarchiv der Stadt Aschaffenburg), das die Genehmigung zum Abdruck bzw. zur Veröffentlichung und schulischen Verwendung der Textvorlagen erteilt hat und für weitere Anfragen jederzeit zur Verfügung steht.
Der Materialsammlung ist ein ausführliches Inhaltsverzeichnis beigegeben, das die Leitfragen bzw. das inhaltliche Erkenntnisinteresse des jeweiligen Arbeitsblattes zusammenfasst und so den Lehrkräften einen raschen Zugriff auf die einzelnen Kopiervorlagen ermöglichen möchte.
Bei dieser Version handelt es sich um eine erste Entwurfsversion, die an alle interessierten Lehrkräfte ausgegeben werden soll. Die beiden letzten Seiten sind aus technischen Gründen leider nur in unzureichender Auflösung abgedruckt. In einer künftigen Auflage sollen sie durch hochauflösende Fotos ersetzt werden, was in seltenen Fällen auch für einzelne Ausschnitte gilt, die ggf. in Kopie etwas schwerer zu lesen sind. In manchen Fällen kann es daher empfehlenswerter sein, einzelne Seiten stets auszudrucken, anstatt sie zu kopieren. Dennoch wurden alle erarbeiteten Vorlagen in dieser ersten Version belassen, damit Sie als Kolleginnen und Kollegen den Umfang und Aufbau unseres Vorschlags nachvollziehen und zum gesamten Projekt Anregungen abgeben können. In einer zweiten Version möchten wir diese Impulse gerne aufgreifen.
Dr. Jochen Krenz                                *                      Barbara Krebs-Eckstein
Friedrich-Dessauer-Gymnasium                                  Karl-Theodor-von-Dalberg-Gymnasium
Aschaffenburg, im Juli 2014

Sally Perel

Wie schafft man es, über 500 Schüler drei Stunden lang mucksmäuschenstill zu halten? Am Dienstag gelang dies Sally Perel aus Israel, der ihnen am Friedrich-Dessauer-Gymnasium aus seinem Leben erzählte. Als Zeitzeuge berichtete er über sein Schicksal im Dritten Reich, wie er sich als Jude ausgerechnet in der Hitlerjugend versteckte und hier der Vernichtung seines Volkes entging. Perels Leben ist bis heute durch dieses Erlebnis geprägt. Dazu erschien vor Jahren seine Autobiographie „Ich war Hitlerjunge Salomon“, die auch mit großem Erfolg verfilmt wurde. Jetzt war er in Aschaffenburg zu Gast, um den Schülern zu zeigen, wie wichtig es ist, Menschenliebe aktiv zu gestalten und das Leben zu lieben. Hass und Ausgrenzung können in einer Welt nach Auschwitz keinen Platz mehr haben, so sein Appell. Diese persönliche Wertevermittlung „aus erster Hand ist viel besser, als aus einem Buch zu lernen“, so die Schülerin Carmen Rachor. Trotz seiner 88 Jahre zog er die Schüler mit seinem lebendigen und humorvollen Vortrag in seinen Bann, Helen Sewald (9b) fand es „bewegend, weil man sich heute gar nicht vorstellen kann, dass es ein solches Schicksal gibt“. Da dies „die letzte Möglichkeit war, einen Zeitzeugen live zu erleben“ (Jonas Scheffauer), nahm auch die Schlange der Schüler beim Signieren der Bücher kein Ende.

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