Medizinethik aus Sicht eines Betroffenen – Vortrag von Simon Tobor

Simon Tobor zu Gast am FDG: Vortragsreihe im Rahmen der Medizinethik – persönliche Schilderung zum Thema Leukämie für die 10. Jahrgangsstufe

„Ich bin ein Leukämie-Überlebender!“, mit diesem Statement leitete der 25-jährige Simon Tobor seinen sehr persönlichen und emotional bewegenden Vortrag für die Schülerinnen und Schüler der 10. Jahrgangsstufe ein, die bereits schon nach wenigen Minuten in den Bann des jungen Mannes gezogen worden sind. Im Mittelpunkt des Vortrages stand die Schilderung über die Erkrankung als 17jähriger an Leukämie.

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Im Zuge dessen schilderte er den Krankheitsverlauf und den erfolgreichen Heilungsprozess anhand der Stammzellenspende bzw. Rückenmarkstransplantation. Neben den rein medizinischen Aspekten
waren die Schüler sichtlich beeindruckt von dem persönlichen Umgang Simons mit der Krankheit, die ihn zu völlig neuen Fragestellungen gegenüber dem „Leben an sich“ geführt hatte. So gab der Referent faszinierende Einblicke in philosophische, spirituelle und ernährungsphysiologische Fragestellungen, die bei unseren Schülern zu staunender Anteilnahme und zu entsprechenden weiterführenden Diskussionen geführt haben. Auf die mediale Präsenz von Simon und auf seine weiterführenden Projekte sei ausdrücklich verwiesen.

Wir hoffen, auch für diesen Juli unseren Gast erneut begrüßen zu dürfen.

(Thomas Friedrich)

http://www.simontobor.de/
http://www.dieheilungbistdu.de/


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Grundwissen Ethik

Grundwissen

Jahrgangstufe 5

  • Bedingungen von Wahrnehmungen
  • Grundbedürfnisse
  • Zusammenhang von Erfolg, Freude und Glück
  • Struktur einer Regel, Goldene Regel
  • Bestandteile des Handlungsbegriffs
  • Vorzugsregeln

 

Jahrgangstufe 6

  • Bedeutung der Familie
  • Würde des Menschen, Toleranz, Verantwortung
  • Bedeutung von Vorbildern und Gruppen
  • Jüdische und christliche Glaubensvorstellungen

 

Jahrgangstufe 7

  • Rechte und Pflichten in verschiedenen Lebensaltern
  • Persönliche Identität und Freiheit
  • Gewaltfreie Konfliktlösungsmodelle
  • Islamisches Leben und Brauchtum
  • Bedeutung von Festen
  • Jüdische, christliche, islamische Feste

 

Jahrgangstufe 8

  • Sinnfindung im Alltag
  • Ursachen und Formen verfehlter Sinnorientierung
  • Verantwortung und Freundschaft
  • Formen philosophischen Argumentierens
  • Modell einer ethischen Entscheidungsfindung
  • Praktischer Syllogismus
  • Abhängigkeit des Menschen von der Natur

 

Jahrgangstufe 9

  • Der Begriff des Gewissens
  • Sinndeutung im Buddhismus und Hinduismus
  • Rollenverständnis von Mann und Frau
  • Auffassungen von Arbeit
  • Ansätze der Friedensethik

 

Jahrgangstufe 10

  • Ethische Grundpositionen der Antike (Sophisten, Sokrates)
  • Platons Höhlengleichnis, Gesellschaftsvertragstheorie (Hobbes, Rousseau, Kant)
  • Vergleich der Abrahamsreligionen zu zentralen Fragen
  • Problematik der Theodizee
  • Positionen der Religionskritik
  • Medizinethische Problemstellungen und Fallanalyse
  • Personbegriff
  • Wirtschaftsethische Grundbegriffe

 

Jahrgangstufe 11/1: Theorie und Praxis des Handelns

  • Grundbegriffe der Ethik (Handlung, Moral, Werte, Normen, naturalistischer Fehlschluss, Formen der Ethik
  • Grundpositionen philosophischer Ethik (Platon, Aristoteles, Kant, Utilitarismus, Diskursethik)
  •  Angewandte Ethik, Verantwortungsethik

 

Jahrgangstufe 11/2: Freiheit und Determination

  • Psychologie (Freud) und Soziologie (Konformität, Autorität, Sozialisation, Status, Rolle, Schicht, Gruppe)
  • Biologie (Libet, Roth, Geist-Hirn-Problematik )und Physik (Planck, Heisenberg, Chaostheorie)
  • Philosophie (Aristoteles, Hume, Kant, Sartre, epistemischer Indeterminismus, Bieri)

 

Jahrgangstufe 12/1: Recht und Gerechtigkeit

  • Grundpositionen (Naturrecht, Rechtspositivismus, kommutative und distributive Gerechtigkeit, Rawls, Kommunitarismus)
  •  Schuldbegriffe, Strafzwecke, Strafrechtstheorien
  • Politische Ethik, Menschenrechte

 

Jahrgangstufe 12/2: Sinnorientierung und Lebensgestaltung

  • Glücksvorstellungen (Aristoteles, Epikur, Stoa, empirische Glücksforschung)
  • Sinnfindungskonzepte (Frankl, gelingende Kommunikation, Levinas, Philosophie der Freundschaft)

 

Das Fach Ethik

Ethik – was ist das?

Ethik ist „in Wirklichkeit für uns die beste Anleitung zum wahren Menschsein … Sie macht es möglich, die Gesellschaft menschlich zu gestalten und das eigene Leben nach den Maßstäben der Vernunft auszurichten“. Und sie ist „zugleich Anleitung zum Glücklichsein“

(Héctor Zadal und José Galindo: Ethik für junge Menschen, Reclam 2000).

Die Ethik ist ein Teilgebiet der Philosophie und bedeutet soviel wie „Sitte“. Sie befasst sich mit der Moralität von Handlungen, daher wird sie auch „praktische Philosophie“ genannt. Ethische Fragestellungen finden sich in allen Lebensbereichen und sind unter anderem aus der angewandten Ethik, z.B. im Bereich der Medizin, Forschung oder Umwelt, nicht mehr wegzudenken. Aber auch die Frage nach dem Sinn des Lebens oder der Freiheit des Willens werden hier thematisiert.

 

Ethikunterricht – wer geht hin?

Alle Schüler, die nicht am Religionsunterricht teilnehmen, besuchen das zweistündige Pflichtfach Ethik. An unserer großen Schule kommen in der Regel pro Jahrgangsstufe zwei Ethikklassen zustande. Die Schüler schätzen am Unterricht, dass er sehr abwechslungsreich ist und sie zum selbstständigen moralischen Argumentieren aufgefordert sind. Die bunte Mischung aus verschiedenen religiösen, weltanschaulichen und kulturellen Hintergründen, welche die Jugendlichen mitbringen, macht sicherlich einen weiteren Reiz des Faches aus.

 

 

 

 

 

 

Aktion „Jung schreibt Alt“

 

Diese Aktion im Religionsunterrícht vor Weihnachten fand bei den SchülerInnen der 5. und 6. Klassen wieder großen Zuspruch. Den Kindern bereitete es große Freude, älteren Menschen, die sie gar nicht kennen, eine Weihnachtskarte zu schreiben und etwas zu basteln, um ihnen eine kleine Freude zu bereiten. Manche erhielt sogar eine Antwort bzw. eine Einladung in eines der Seniorenheime.

 

R. Pürckhauer

 

Taizéfahrt

P-Seminar Nationalitätenvielfalt am FDG
2012-2014


Schaut man sich die deutsche heute Gesellschaft an, so kann man feststellen, dass sie aus vielen verschiedenen Nationalitäten besteht. Der Focus berichtet, dass im Jahr 2012 mehr als 16,3 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland lebten. Dieses Phänomen kann man auch in den deutschen Schulen erkennen. Gerade das Dessauer-Gymnasium mit rund 1600 Schülern lässt eine große Anzahl verschiedenster Nationalitäten vermuten. Doch wo haben die Schüler des Friedrich-Dessauer-Gymnasiums ihre Wurzeln? Genau dieser Frage ist das P-Seminar von Frau Sauer mit dem Titel „Nationalitätenvielfalt am FDG“ auf den Grund gegangen.

Um erste Erfahrungen und Informationen zu bekommen, haben die Schüler des P-Seminars verschiedene Besuche absolviert. Zum Beispiel haben wir Frau Anna Ehrlich im Rathaus Aschaffenburg besucht. Sie ist zuständig für die Integration von Migranten in unserer Stadt. Dort haben wir auch Fluchtgründe und Lebensumstände von Asylbewerbern und Einwanderern in Aschaffenburg kennengelernt, indem uns ein junger Mann von seinem Weg aus dem Iran nach Europa berichtet hat. Um unserer Frage nach der Herkunft möglichst genau nachzugehen, entwickelten wir einen Fragenbogen, der in jeder Klasse in unserer Schule verteilt worden ist. In diesem waren Fragen zu beantworten, wie z.B.: Besitzt du ausländische Wurzeln? Wenn ja, stammen diese von deinen Eltern oder von den Großeltern? Auch die Frage nach dem eigenen Geburtsort musste in unserem Fragebogen beantwortet werden. Zudem auch, ob man aufgrund seiner ausländischen Wurzeln Probleme in der Schule hat.

Nachdem jeder Schüler in unserer Schule befragt worden ist, ging es an die Auswertung. Mit verschiedenen bildlichen Darstellungen haben wir die einzelnen Klassen ausgewertet und im Kurs präsentiert. Die Ergebnisse waren sehr interessant. Wir konnten feststellen, dass viele Schüler ausländische Wurzeln haben. (Die meisten kamen aus Russland, Polen und der Türkei). Weiterhin ist aufgefallen, dass trotz ausländischer Wurzeln die Schüler selbst meistens in Deutschland geboren sind. Laut unserer Auswertung haben 36% der Schüler des Friedrich-Dessauer Gymnasiums einen Migrationshintergrund. Überraschenderweise besuchen immer mehr ausländische Schüler unser Gymnasium. In der Unterstufe sind 16% der Schülerinnen und Schüler mit ausländischen Wurzeln, wohingegen der prozentuale Anteil der ausländischen Schülern in der Oberstufe nur 6% beträgt.
Zu den Problemen aufgrund des Migrationshintergrundes haben wir herausgefunden, dass meist Sprach- und Verständnisschwierigkeiten den Schülern Probleme verursachen. Mit unserem Seminar „Nationalitätenvielfalt am FDG“ wurde zum ersten Mal eine solche Auswertung durchgeführt. Am Ende haben wir unsere Ergebnisse auf einer großen Tafel dokumentiert.

Christina Fecher

Aktion für die

Partnerschulen in Tansania und für Kolumbien

Seit acht Jahren unterstützt das Friedrich-Dessauer-Gymnasium regelmäßig zwei Schulen in Tansania, eine Elementarschule in Kishuro im Nordwesten und die Makita Sec. School, ein großes Gymnasium in Mbinga im Süden von Tansania. Dort wird dringend Schulausstattung und Unterrichtsmaterial benötigt.

Deshalb organisieren die Lehrkräfte der Fachschaft Religion immer wieder Benefizaktionen. Auch in diesem Schuljahr wird die Aktion der letzten Jahre durchgeführt. Das P-Seminar „Mbinga“, das den Kontakt zur Partnerschule vertiefen will, wird die Klassen über die Lebenssituation in Tansania, über die Partnerschaft mit Mbinga, über das dortige Gymnasium sowie über die geplante Spendenaktion informieren.

An einem der Projekttage im Juli 2013 haben alle Schülerinnen und Schüler der 8. Jahrgangsstufe, die Afrika im Geographieunterricht kennengelernt haben, für eine kleine Spende an Tankstellen Autoscheiben geputzt oder an einem Supermarkt Einkäufe verpackt. Denn das sind Tätigkeiten, mit denen viele Jugendliche in den Entwicklungsländern ihren Lebensunterhalt und oft auch den ihrer Familien sichern müssen. Das Ergebnis war eine Spendensumme von 3525,50€.

Ein großer Teil davon wurde nach Mbinga überwiesen, wo von unserer Spende Tische und Stühle für mehrere Klassen angeschafft wurden. Die Freude darüber war riesengroß, was viele Fotos und Emails belegen. Die Schule in Kishuro haben zwei ehemalige Schüler des FDG besucht und die Spende dort persönlich übergeben.

Außerdem haben wir über das Projekt „Schule für alle“ der Stiftung „Weg der Hoffnung“ zehn Kindern aus den Slums von Villavicencio in Kolumbien den Schulbesuch für ein Jahr ermöglicht.

Dieses Projekt wurde uns von Herrn Wolfgang Hock und zwei kolumbianischen Gästen bei einem Besuch unserer Schule sehr anschaulich und interessant vorgestellt.

 

M. Sauer

 

 

 

 

P-Seminar – Projekt – Menschen sind mehr als „Winner oder Loser“

 

Im Rahmen dieses P- Seminares unternahmen die SchülerInnen verschiedene Exkursionen zu Menschen, die oft am Rande unserer Gesellschaft leben, um einen Einblick in deren Lebenssituation zu gewinnen. Unter anderem nahmen die Schüler an einer Führung „Orte der Armut“ in Aschaffenburg teil. Frau Will von der Diakonie führte die Gruppe zwei Stunden lang durch Aschaffenburg zu Orten, wo Armut im Alltag anzutreffen ist. So wurde jedem bewusst, dass Armut mitten unter uns wahrzunehmen ist, wenn man mit offenen Augen durch die Stadt geht.

 

Auch besuchten die Schüler/innen die Dorfgemeinschaft Hohenroth bei Rieneck, wo Menschen mit Behinderung in Wohngruppen zusammenleben und betreut werden. Sie gehen regelmäßig einer Arbeit nach und bringen sich je nach ihren Fähigkeit und Möglichkeiten z.B. in der Landwirtschaft, Weberei, oder Schreinerei ein und können so ein erfülltes und sinnvolles Leben in Gemeinschaft führen.

 

Momentan führen die SchülerInnen verschiedene Projekte durch, unter anderem bei der Lebenshilfe in Stockstadt und mit Kindern im Asylantenwohnheim in Aschaffenburg.

 

Aus der Werkstatt für behinderte Menschen in Stockstadt, kamen Sabrina und Anastasia mit mit folgenden Eindrücken zurück: „ Die Menschen mit Behinderung sind sehr auf-geschlossen und freundlich. In der Werkstatt herrscht eine tolle Atmosphäre und Gruppendynamik, denn alle verstehen sich dort sehr gut, egal ob jung oder alt, ob Mann oder Frau. Wir wurden äußerst herzlich aufgenommen und von verschiedenen Menschen in unterschiedliche Gespräche zu allen erdenklichen Themen verwickelt.

 

Im Asylantenheim in Aschaffenburg hatten Erika, Jessica und Justin einen Bastelnachmittag mit Kindern geplant.
„Dort angekommen wurden wir erst einmal recht herzlich begrüßt. Der Raum füllte sich schnell mit Kindern und Jugendlichen, die gerne basteln wollten. Wir hatten für Essen und Trinken gesorgt, worüber sich die Kinder gefreut haben. Jedoch haben wir schnell gemerkt, dass der Umgangston unter ihnen recht harsch ist und auch Kraftausdrücke keine Seltenheit sind. Der Umgang mit uns war sehr herzlich und die Kinder haben viel von sich und ihrer Geschichte erzählt. Zusammenfassend kann man sagen, dass das Projekt auf jeden Fall eine Erfahrung wert war.“

 

R. Pürckhauer

 

 

 

 

Taizéfahrt

 

 

M. Sauer

Fair Trade – Besuch der Klasse 7c im Weltladen

Im Rahmen der Projekttage hat die Klasse 7c sich mit dem Thema Fair Trade beschäftigt. Nachdem eine Schülerin bereits im Unterricht ein T-Shirt gezeigt hatte, das aus fairem Handel stammt und die MitschülerInnen mit Schokolade aus dem Weltladen erfreut hatte, war das Ziel für unsere kleine Exkursion zum Schuljahresende schnell gefunden. Wir folgten der Einladung von Frau Berit Schurse, die für die Zusammenarbeit mit Schulen und anderen Bildungsstätten zuständig ist, und kamen in den farbenfrohen Welt Laden in der Treibgasse 3, wo es möglich ist ganz unterschiedliche Produkte aus dem Bereich des fairen Handels zu erwerben. Nach einem Blick auf eine große Weltkarte aus Stoff und einer Information über die Verteilung der Weltbevölkerung, die alle überraschte, ging es im kleinen Gruppen an verschiedene Stationen. Dort ging es um ProduzentInnen, Produkte, unterschiedliche Projekte, um den gerechten Lohn für die Arbeiter aber auch um das Schicksal von Straßenkindern. Sogar eine kleine Umfrage, bei der Passanten angesprochen werden mussten, gehörte zum Programm. Insgesamt war es eine überaus interessante Aktion, die den SchülerInnen wie den Lehrkräften Astrid Ullrich und Angela Pechtl überaus gut gefallen hat. Wir danken Frau Berit Schurse für Ihre Zeit und Ihr Engagement. Schön war auch die abschließende Nachbesprechung im Eiscafe Dolomiti, wo wir freundlich aufgenommen und sofort mit leckeren Eisspezialitäten versorgt wurde.

Angela Pechtl

 

 

Liao Yiwu

Bereits 2013 besuchte der chinesische Dissident und Schriftsteller Liao Yiwu, der den diesjährigen Aschaffenburger „mutig“- Preis bekommen hat und bereits Träger des Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ist, das Friedrich- Dessauer- Gymnasium. Yiwu saß jahrelang als politischer Gefangener in chinesischer Haft, weil er 1989 das Gedicht „Massaker“, das den niedergeschlagenen Studentenprotest am Pekinger „Platz des Himmlischen Friedens“ thematisiert, verfasste und verbreitete. Bekannt wurde er in Deutschland durch das Werk „Für ein Lied und hundert Lieder“, in dem er über seine Haftzeit berichtet. Seit 2011 lebt und arbeitet er in Berlin.
Dies war sowohl für die anwesenden Schüler und Lehrer des FDGs als auch für eine vom Elsenfelder Gymnasium aus angereiste Schülergruppe ein echtes Erlebnis.
Eine Ethikgruppe des FDGs hatte sich im Vorfeld bereits mit Menschenrechtsverletzungen in China und mit dort inhaftierten Autoren auseinandergesetzt. Für sie war es natürlich besonders eindrucksvoll, die zuvor nur als theoretischen Unterrichtsgegenstand behandelte Person jetzt leibhaftig vor sich sitzen zu sehen.
Die Tatsache, dass Herr Liao nur Chinesisch spricht und mittels einer Dolmetscherin mit dem Publikum kommunizierte, schuf eine authentische Atmosphäre. Durch seine offene und zugewandte Art bemühte sich der Schriftsteller überdies um Nähe zu den Zuhörern. Diese belohnten seine Anstrengungen prompt mit vielen Fragen, von denen sogar eine auf Chinesisch formuliert wurde. Die Schüler interessierten sich vor allem für persönliche Dinge, wie dafür, ob er sich in seinem Berliner Exil wohlfühle oder wie er die chinesische Gesellschaft wahrnehme. Weiterhin wurden auch heißere Eisen angefasst, so sprach man sein Verhältnis zum umstrittenen chinesischen Literaturnobelpreisträger Mo Yan an, den Yiwu als Parteigänger der chinesischen Regierung darstellte. Überdies wurde Yiwu auch mit dem Vorwurf des Wochenmagazins „Zeit“ konfrontiert, das ihm vorgeworfen hat, er habe den Gefängnisalltag in seinem Zeugenbericht übertrieben dramatisch gestaltet, um den Absatz des Buchs zu steigern. Der Dissident wies diesen Vorwurf entschieden zurück. Schade nur, dass Herr Liao nicht mehr dazu kam, das Gedicht „Massaker“ zu verlesen. Der Gong zum Schulschluss kam nämlich dazwischen. Die Jugendlichen, die bis dahin konzentriert zugehört und mitdiskutiert hatten, wollten dann doch ins Wochenende starten.
Julia Grundner

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