Berlin Tag und Nacht

Bundestag, Oper, Disko –

Berlin Tag und Nacht

Acht Stunden Fahrt, am kulturärmsten Tag drei Museen und eine Oper, zehn Kilometer Laufweg pro Tag und sieben Stunden nichts zu essen, meine Klasse konnte sich gar nicht halten, vor überschäumender Begeisterung, aber das Beste kam noch, Start morgens um halb sechs an der Schule. Die euphorische Ankündigung, mit der die Lehrer in meiner Klasse Details der nahenden Berlinfahrt preisgaben, löste nicht gerade Begeisterungsstürme aus, blankes Entsetzen traf es eher.

Es war soeben am Dämmern, als nach und nach immer mehr unausgeschlafene Gesichter, ihre Kissen umklammernd, beim Bus eintrudelnden. Doch die acht Stunden vergingen wie im Schlaf, zumindest für die meisten,welche dann ausgeschlafen in Berlin ankamen, wo schon die erste Herausforderung auf uns wartete: Der Zimmerbezug, was nach einem anfänglichen Tumult erstaunlicherweise völlig problemlos über die Bühne ging. Nachdem aus dem achten Stock hinlänglich die Aussicht über Berlin Mitte bewundert wurde, brachen wir zum Bundestag auf. Eine Sicherheitskontrolle später, welche ablief wie am Flughafen, gab es in der sechs Meter hohen und damit noch recht niedrigen, Kantine Mittagessen. Anschließend ging es in den Plenarsaal, jedoch mussten wir dort etwas warten. Zwar gab es von dort eine fabelhafte Aussicht über Berlin, doch das bemerkten die meisten gar nicht, da sie viel zu sehr damit beschäftigt waren, sich zu fünfzigst um einen winzigen Bildschirm zu drängen, um das Deutschlandspiel zu sehen. Mit hängenden Köpfen trotteten wir schließlich in den Saal, wo wir viele interessante Dinge erfuhren. Um die Erkenntnis bereichert, dass es selbst im Bundestag eine Sitzordnung gab, gingen wir schließlich weiter zu einer Diskussion mit unserer Wahlkreisabgeordneten Andrea Lindholz. Zum Schluss besichtigten wir noch die Kuppel, welche uns einen wundervollen Blick über das abendliche Berlin bot. Eine wahre Odysee später fielen wir von lauter Kultur erschlagen ins Bett, die Lehrer hatten ganze Arbeit geleistet.

Am nächsten Tag wurden wir zu Bundesratsmitgliedern und diskutierten angeregt über die Legalisierung von Cannabis, mit dem Ergebnis, dass unser Ausschuss den Gesetzesentwurf auf jeden Fall noch einmal gründlich neu auflegen musste. Danach führten wir uns in einer kleine Stadttour, nur mit den wichtigsten Sehenswürdigkeiten, nicht dass wir noch einen Kulturschock erlitten hätten. Den restlichen Nachmittag konnten wir uns in Kleingruppen komplett frei in Berlin bewegen, bis am Abend die Möglichkeit bestand, in ein Konzert, (Beethovens 6. Symphonie) oder ins Kabarett („Mutti muss weg!“), zu gehen, danach gab es noch eine Jugenddisko. Der nächste Tag startete mit einem Besuch im ehemaligen Stasigefängnis Hohenschönhausen, wo uns ein Zeitzeuge auf sehr eindrückliche Art und Weise die damaligen unmenschlichen und entwürdigenden Zustände nahebrachte. Zum selben historischen Zeitpunkt, jedoch einige Kilometer weiter sahen wir uns die Mauergedenkstätte Bernauer Straße an. Anschließend hatten wir wieder Freizeit, in welcher es die Möglichkeit gab, ins KaDeWe, Kaufhaus des Westen, zu gehen, welches ein extrem großes, recht bekanntes Einkaufszentrum ist, bis es Zeit war, sich entweder für die Oper „Faust“ von Charles Gounod, schick zu machen oder sich für das Fußballtunier „in Schale zu werfen“. Der Tag danach war vor allem für die Rückfahrt reserviert, jedoch blieb davor gerade noch Zeit, einem Museum einen Besuch abzustatten, entweder dem Pergamonmuseum mit dem riesigen Ischtartor, dem eindrücklichen Tränenpalast, welcher die Schicksale der DDR-Flüchtlinge zeigte, dem deutschen Filmmuseum, in welchem man ein Stück deutscher Filmgeschichte hautnah erleben konnte, oder dem Deutschen Historischen Museum, welches wie der Name schon sagt, Geschichte zeigt. Alles in allem ist eine solche Fahrt extrem interessant. Vor allem für Leute, die vorher noch nie in Berlin waren, ist es faszinierend, diese so lebendige Stadt mit ihren vielen Facetten zu erleben, aber auch für alte Berlinhasen waren es – zumindest aufgrund des Programms – keine ermüdenden Tage, nur erschöpfende. Selbst nach einer elfstündigen Fahrt, blieb es aufgrund einer Exrückgabe um halb zwei, einer sehr krenzwertigen Aktion spannend. Gut be-schütze-t waren wir in Berlin als 133 Kopf starke Herde mit ihren Schäfern. Das blanke Entsetzen bei der anfänglichen Ankündigung wich schlussendlich purer Begeisterung.

Rebekka Stanik 10a

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